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Gemeinnützigkeit: Attac hat Verfassungsbeschwerde eingereicht

Lebenshaus-Newsletter - Mi, 03/03/2021 - 05:10
Attac hat Verfassungsbeschwerde gegen den Entzug der Gemeinnützigkeit eingereicht. Das globalisierungskritische Netzwerk sieht sich in seinen Grundrechten verletzt, insbesondere in... Michael Schmid http://www.lebenshaus-alb.de

Die Geopolitik des European Green Deal (II)

German Foreign Policy - Di, 02/03/2021 - 20:37

Importrückgang ab 2030

Erhebliche Konsequenzen aus dem European Green Deal ergeben sich laut Einschätzung des European Council on Foreign Relations (ECFR) unter anderem für die Beziehungen der EU zu Russland. Das Land ist stark auf die Ausfuhr von Öl und Gas angewiesen, der es rund 62 Prozent seiner Exporterlöse verdankt. Die Einkünfte der Branche tragen zudem ein gutes Drittel zum russischen Staatshaushalt bei. Im Jahr 2016 nahm die EU, wie der ECFR festhält, 60 Prozent des russischen Öl- und 75 Prozent des russischen Gasexports ab.[1] Zwar sei für die Jahre bis 2030 noch nicht mit einem Einbruch bei den Öl- und Gaseinfuhren aus Russland zu rechnen, da die Umstellung auf Elektromobilität noch einige Jahre in Anspruch nehmen werde und Gas als Brückenenergie für die Dekarbonisierung gelte. Ab 2030 könne man allerdings von einer starken Reduzierung der EU-Importe russischer Energieträger ausgehen. Der ECFR rechnet mit einer Verlagerung der russischen Energieausfuhren nach China. Tatsächlich nahm die Volksrepublik im Jahr 2018 bereits rund ein Viertel aller russischen Ölexporte ab; inzwischen ist zudem eine erste russisch-chinesische Erdgaspipeline in Betrieb.[2] Darüber hinaus flexibilisiert Moskau den Erdgasexport mit der Umstellung auf Flüssiggas; Experten sehen es auf dem Weg, eine Flüssiggasmacht ersten Ranges zu werden.[3]

Wasserstoff als "Energiebrücke"

Unklar ist, ob der vom ECFR prognostizierte langfristige Bedeutungsverlust russischer Öl- und Gasexporte in die EU von künftigen Wasserstofflieferungen teilweise ausgeglichen werden kann. Um die Energiewende zu schaffen, setzt die Bundesregierung nicht zuletzt auf die Nutzung von Wasserstoff als Energieträger (german-foreign-policy.com berichtete [4]). Dabei hat sie als potenzielle Lieferanten unter anderem die Länder Nordafrikas, insbesondere Marokko, im Visier. Als weitere denkbare Standorte für die Herstellung von Wasserstoff mit Hilfe von Solar- und Windenergie gelten darüber hinaus Saudi-Arabien, Australien, Chile, die Ukraine und Russland. Während der Ukraine ein gewisses Potenzial für die Herstellung "grünen" Wasserstoffs mit Hilfe von Solar- und Windenergie zugeschrieben wird [5], kommt für Russland außer "grünem" auch "türkiser" Wasserstoff in Betracht. Dieser wird aus Erdgas hergestellt, wobei fester Kohlenstoff anfällt, der eingelagert oder weiterverarbeitet werden kann. Für die etwaige Ausleitung in die EU kämen die russischen Erdgaspipelines in Betracht.[6] Moskau hat Ende 2020 in seiner neuen Energiestrategie mitgeteilt, bis 2035 zu einem weltweit führenden Hersteller wie auch Exporteur von Wasserstoff werden zu wollen.[7] Als Kunden hat es auch die Bundesrepublik im Blick. In Wirtschaftskreisen ist von einer neuen "Brücke" zwischen den beiden Ländern die Rede [8]; Siemens und ThyssenKrupp machen sich bereits für den Import aus Russland stark [9].

Ein transatlantischer "Klimaklub"

Gewisse Spannungen wird der European Green Deal nach Einschätzung des ECFR zwischen der EU und den Vereinigten Staaten verursachen - dies auch nach Washingtons Rückkehr zum Pariser Klimaabkommen unter der Regierung von Präsident Joe Biden. Zwar werde es möglich sein, mit der Biden-Administration über gemeinsame Maßnahmen zu verhandeln, urteilt der Think-Tank; Experten schlagen beispielsweise den transatlantischen Zusammenschluss zu einem "Klimaklub" mit einem gemeinsamen CO2-Grenzausgleichssystem vor.[10] Doch werde Biden wegen des zu erwartenden Widerstandes im Kongress insgesamt weniger ehrgeizige Umweltmaßnahmen durchsetzen können als die EU, sagt der ECFR voraus. Man müsse deshalb damit rechnen, dass etwa US-Kfz-Exporte in die Union wegen deren schärferer Abgasnormen auf Schwierigkeiten stießen; die Vereinigten Staaten verkauften im Vorkrisenjahr 2019 Autos im Wert von über 9,4 Milliarden Euro in die EU.[11] Probleme könne es auch mit dem Export landwirtschaftlicher US-Erzeugnisse geben; die EU nimmt immerhin 13 Prozent aller US-Agrarexporte ab. Nicht zuletzt sind vom langfristig schrumpfenden Verbrauch fossiler Energieträger in der Union auch Öl sowie Flüssiggas aus den Vereinigten Staaten betroffen, die im ersten Halbjahr 2020 zum viertgrößten Gaslieferanten der EU aufstiegen - mit einem Anteil von bereits 6,7 Prozent. Ohnehin wird der zu erwartende Fall des globalen Öl- und Gaspreises die USA empfindlich treffen: Sie zählen zu den großen Öl- und Gasexporteuren der Welt.

Seltene Erden

Letzteres trifft nicht auf China zu, das Öl und Gas in großen Mengen exportieren muss und daher von einem Fall der Weltmarktpreise profitieren würde. Günstig für die Volksrepublik ist zudem, dass es bei der Versorgung mit Rohstoffen, die für die Energiewende unverzichtbar sind, eine herausragende Rolle spielt: bei den sogenannten Seltenen Erden. Diese werden unter anderem für die Herstellung von Windrädern und Solarzellen benötigt; China deckt aktuell rund drei Viertel des globalen Bedarfs.[12] Experten weisen regelmäßig darauf hin, dass Seltene Erden nicht wirklich selten, sondern in einer ganzen Reihe von Ländern zu finden sind. Allerdings sind Förderung und Aufbereitung zeitaufwendig, teuer und in der Praxis oft mit schweren Umweltschäden verbunden - Gründe dafür, dass die westlichen Staaten sich weitgehend aus der Branche zurückgezogen und China den Großteil des wenig attraktiven Markts überlassen haben. Zwar haben westliche Unternehmen aufgrund der Eskalation des Machtkampfs zwischen den USA und China begonnen, wieder in die Förderung Seltener Erden zu investieren; doch sind sie meist immer noch auf die Aufbereitung der Rohstoffe in der Volksrepublik angewiesen. Zumindest kurz- und mittelfristig ist der European Green Deal deshalb mit einer zunehmenden Abhängigkeit der EU von chinesischen Rohstoffen verbunden.

An der Spitze der Energiewende

Als für China vorteilhaft kann sich der European Green Deal auch erweisen, weil die Volksrepublik auch bei den für ihn notwendigen Technologien inzwischen eine weltweit führende Rolle spielt. So ist etwa "Chinas Windkraftbranche", wie die bundeseigene Wirtschaftsagentur Germany Trade & Invest (gtai) urteilt, "längst in der Weltspitze angekommen" [13]; chinesische Windkraftkonzerne drängen inzwischen zunehmend auch in den europäischen Markt [14]. In China, wo heute fünf der zehn weltgrößten Solarkonzerne ihren Sitz haben, werden laut Angaben der Internationalen Energieagentur rund 60 Prozent aller Solarpanels überhaupt hergestellt.[15] Laut einer Studie der International Renewable Energy Agency (IRENA) aus dem Jahr 2019 hielt die Volksrepublik schon damals rund 29 Prozent aller Patente im Bereich der erneuerbaren Energien - deutlich mehr als die USA (18 Prozent), Japan und die EU (jeweils 14 Prozent).[16] China stehe, resümierte die IRENA, "an der Spitze der globalen Energiewende". Hinzu kommt, dass die Volksrepublik längst auch bei Elektroautos führend ist. Umwelttechnologien böten "ein riesiges Potenzial für die Kooperation zwischen China und Europa", urteilt der ECFR, "aber auch für die Verdrängung der europäischen Industrie und das Erreichen chinesischer Technologiedominanz".[17]

 

Mehr zum Thema: Die Geopolitik des European Green Deal (I).

 

[1] Mark Leonard, Jean Pisani-Ferry, Jeremy Shapiro, Simone Tagliapietra, Guntram Wolff: The Geopolitics of the European Green Deal. ECFR Policy Brief. February 2021.

[2] S. dazu Transatlantische Sanktionen (III).

[3] Russian LNG: Becoming a Global Force. OIES Paper 154. Oxford, November 2019.

[4] S. dazu Die Geopolitik des European Green Deal (I).

[5] Reinhard Lauterbach: Hydrogenium statt Erdgas. junge Welt 16.02.2021.

[6] Klaus Stratmann: Aus diesen Ländern könnte Deutschland künftig Wasserstoff beziehen. handelsblatt.com 23.12.2021.

[7] Hans-Jürgen Wittmann: Russland möchte bis 2035 Weltmarktführer bei Wasserstoff werden. gtai.de 25.12.2020.

[8] Hans-Jürgen Wittmann: Wasserstoff kann neue Brücke von Russland nach Deutschland schlagen. gtai.de 25.12.2020.

[9] Siemens und Thyssenkrupp werben für Wasserstoff aus Russland. manager-magazin.de 26.11.2020.

[10] Guntram Wolff: Ein globaler Klimaklub könnte die Erderwärmung begrenzen. handelsblatt.com 10.02.2021.

[11] Imports of passenger cars. acea.be.

[12] June Teufel Dreyer: China's Monopoly on Rare Earth Elements - and Why We Shoud Care. fpri.org 07.10.2020.

[13] Corinne Abele: Branchenstruktur des Windsektors. gtai.de 02.11.2020.

[14] Andreas Macho: "Die Wind-Konkurrenz aus China drängt nach Europa". wiwo.de 26.08.2020.

[15] China baut seine Vormachtstellung weiter aus. energiezukunft.eu 06.04.2020.

[16] IRENA: A New World. The Geopolitics of the Energy Transformation. 2019.

[17] Mark Leonard, Jean Pisani-Ferry, Jeremy Shapiro, Simone Tagliapietra, Guntram Wolff: The Geopolitics of the European Green Deal. ECFR Policy Brief. February 2021.

Der damalige Hoffnungsträger Michail Gorbatschow wird heute 90

Lebenshaus-Newsletter - Di, 02/03/2021 - 17:21
Michail Sergejewitsch Gorbatschow hat zwischen 1985 und 1991 die Welt verändert. Seine Botschaften sind heute wieder hochaktuell. Von Christian Müller.... Michael Schmid http://www.lebenshaus-alb.de

Die Wurzeln der revolutionären Gewaltfreiheit in den Vereinigten Staaten liegen in der Gemeinschaft der Schwarzen

Lebenshaus-Newsletter - Di, 02/03/2021 - 07:41
Die Zusammenarbeit zwischen Aktivisten für die Unabhängigkeit Indiens und denen gegen die Rassentrennung in den Vereinigten Staaten brachte die revolutionäre... Michael Schmid http://www.lebenshaus-alb.de

Die Militarisierung der Welt

German Foreign Policy - Mo, 01/03/2021 - 19:56

Der globale Rüstungsboom

Die globalen Aufwendungen für das Militär sind im vergangenen Jahr erneut gestiegen und haben einen Rekordwert von 1,83 Billionen US-Dollar erreicht. Dies geht aus dem vergangene Woche vorgestellten Rüstungsbericht ("The Military Balance 2021") des Londoner International Institute for Strategic Studies (IISS) hervor.[1] Demnach übertrafen die weltweiten Rüstungsausgaben im Jahr 2020 den Vorjahreswert um 3,9 Prozent; ihr Anteil an der Weltwirtschaftsleistung stieg damit auf 2,08 Prozent. Den absolut stärksten Anstieg verzeichneten die Vereinigten Staaten, deren offizielle Militärausgaben um 6,3 Prozent auf 738 Milliarden US-Dollar in die Höhe schnellten. Freilich umfassen ihre gesamten Militärausgaben inklusive derjenigen, die in weiteren Etatposten versteckt sind, deutlich mehr und lagen Experten zufolge im Jahr 2020 bei 935,8 Milliarden US-Dollar.[2] Geringer als im Vorjahr gestiegen ist mit 5,2 Prozent der Militäretat Chinas, der 193,3 Milliarden US-Dollar erreichte und weiterhin der zweitgrößte weltweit ist. Der Staat mit dem drittgrößten Militärhaushalt ist Indien, das seinen Rüstungsetat seit dem Amtsantritt von Premierminister Narendra Modi im Jahr 2014 um gut 40 Prozent auf mittlerweile 64,1 Milliarden US-Dollar erhöht hat.[3] Die Region mit dem größten Rüstungsanteil an der Wirtschaftsleistung (5,2 Prozent) ist nach wie vor Nordafrika und Mittelost, wo sich mehrere der wichtigsten Kunden deutscher Waffenschmieden befinden.

Das globale Aufrüstungszentrum

Zum globalen Rüstungsboom trägt Deutschland maßgeblich bei. So ist der Bundeswehrhaushalt, der bereits von 2018 auf 2019 um 12,2 Prozent zunahm, von 2019 auf 2020 erneut um 5,6 Prozent gestiegen; für das laufende Jahr sieht er trotz der Coronakrise ein weiteres Wachstum um 2,8 Prozent auf 46,93 Milliarden Euro vor.[4] Dabei liegen die tatsächlichen Militärausgaben - wie im Fall der USA - erheblich höher, weil einzelne Posten in die Etats anderer Ministerien verschoben wurden; dies bestätigt die Tatsache, dass die Bundesregierung für das laufende Jahr einschlägige Ausgaben von 53,03 Milliarden Euro an die NATO meldete, 3,2 Prozent mehr als im Jahr 2020.[5] Dabei war die Bundesrepublik auch nach offiziellen Angaben im Jahr 2020 das Land mit den siebtgrößten Rüstungsausgaben weltweit - laut dem IISS hinter Großbritannien (Nummer 4, 61,5 Milliarden US-Dollar), Russland (60,6 Milliarden US-Dollar) und Frankreich (55,0 Milliarden US-Dollar). Den Anteil der Staaten Europas ohne Russland an den globalen Rüstungsausgaben beziffert das IISS mit 17,5 Prozent - erheblich mehr als der Anteil Chinas (10,6 Prozent) und Russlands (3,3 Prozent). Dabei weist das IISS darauf hin, dass sowohl Deutschland als auch Frankreich für die kommenden Jahre gewaltige Rüstungsvorhaben angekündigt haben; werden sie verwirklicht, dann werde womöglich, da die USA nach den Rüstungssteigerungen der Trump-Ära aktuell kaum nachlegen könnten, "Europa die Region mit dem größten Wachstum bei den globalen Verteidigungsausgaben", schreibt der Londoner Think-Tank.[6]

Ein neues "Flottenbauprogramm"

Tatsächlich sieht das Bundeswehrbudget für das Jahr 2021 eine Steigerung der rüstungsinvestiven Ausgaben - für Forschung, Entwicklung, Erprobung, Beschaffungen - um neun Prozent auf 10,3 Milliarden Euro vor.[7] Zu den milliardenschweren Großprojekten der Streitkräfte gehören neben der Entwicklung eines Kampfjets und eines Kampfpanzers der nächsten Generation - beides gemeinsam mit Frankreich [8] - der Kauf neuer Eurofighter und zahlreicher Transportfahrzeuge sowie die Beschaffung der Eurodrohne. Geplant sind Entwicklung und Beschaffung zahlreicher Kriegsschiffe, insbesondere der Fregatte 126 (vormals: Mehrzweckkampfschiff 180) und des deutsch-norwegischen U-Boots U212 Common Design; in Militärkreisen heißt es dazu, ein neues "Flottenbauprogramm" werde "konkret".[9] Demnach hat die Marine zusätzlich den Erwerb von Flottendienstbooten der Klasse 424, von Betriebsstofftankern der Klasse 707 sowie von sechs Unterstützungsschiffen als Ersatz für die Tender der Klasse 404 im Visier. Nicht zuletzt sollen für die Spezialkräfte der Marine neun Einsatzboote inklusive Ausrüstung erworben werden - mit der Option auf den Kauf von bis zu zwölf weiteren Booten. Mit den Rüstungsprojekten reagiert die Bundeswehr auf die strategische Umorientierung von Auslandsinterventionen in aller Welt hin zu Großmachtkonflikten, wie sie die Bundesregierung ab 2014 vollzogen hat (german-foreign-policy.com berichtete [10]). Als etwaige Gegner gelten Russland und in wachsendem Maß China.

Zweistellige Exportsteigerungen

Dabei tragen neben der Aufrüstung der Bundeswehr auch die deutschen Rüstungsexporte zur Militarisierung des Westens und seiner globalen Verbündeten bei. Vor knapp einem Jahr kam das Stockholmer Forschungsinstitut SIPRI in einer Analyse der globalen Waffenausfuhren zu dem Resultat, dass Deutschland im Fünfjahreszeitraum von 2015 bis 2019 der viertgrößte Waffenexporteur weltweit war.[11] Die Berechnung von Fünfjahreszeiträumen bietet sich in der Analyse von Rüstungsexporten wegen der großen Schwankungen, die durch einzelne, besonders teure Waffenverkäufe entstehen können, an. Deutsche Waffenschmieden hatten ihre Ausfuhren zudem gegenüber dem Fünfjahreszeitraum von 2010 bis 2014 um 17 Prozent steigern können - deutlich mehr als die globale Zunahme um 5,5 Prozent. Dabei gingen 30 Prozent der deutschen Rüstungsexporte nach "Asien und Ozeanien" - an Staaten, die als regionale Verbündete im Machtkampf des Westens gegen China gelten. 24 Prozent wurden in die Krisenregion Nordafrika/Mittelost geliefert. Die EU - damals noch inklusive Großbritannien - stand 2015 bis 2019 für rund 26 Prozent aller Rüstungsexporte weltweit - weniger als die USA (36 Prozent), aber mehr als Russland (21 Prozent), das vor allem in Indien [12] Marktanteile an den Westen verloren hat. Der transatlantische Westen besorgte damit von 2015 bis 2019 rund zwei Drittel sämtlicher Rüstungsexporte überhaupt - mit deutlich zunehmender Tendenz.

Das grüne "Verteidigungsplanungsgesetz"

Unklar ist, ob die Coronakrise die angestrebte weitere rapide Erhöhung der Militärhaushalte ohne weiteres zulässt. Wie das IISS konstatiert, sind etwa die europäischen Staaten zwar bestrebt, an der geplanten Steigerung ihrer Rüstungsausgaben festzuhalten. Für den Fall aber, dass etwa besonders teure Rüstungsvorhaben durch den krisenbedingten Wirtschaftseinbruch unter Legitimationsdruck geraten, hat der verteidigungspolitische Sprecher der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, Tobias Lindner, vor kurzem Vorschläge vorgelegt. Demnach soll der Deutsche Bundestag alle zehn Jahre ein "Verteidigungsplanungsgesetz" verabschieden, in dem er "die zehn bis 15 wichtigsten Beschaffungsvorhaben der Bundeswehr festleg[t]".[13] "Deren Finanzierung", heißt es weiter, "wird damit eine gesetzliche Aufgabe", die nicht mehr ohne weiteres zur Disposition steht. Durch die Festlegung einer "Budgetobergrenze" für jedes Projekt würden zugleich der Rüstungsindustrie präzise Vorgaben gemacht, die stetige Preissteigerungen erschwerten: ein Anreiz zu größerer Effizienz in der deutschen Waffenproduktion auch in Zeiten knapper Kassen.

 

[1] Fenella McGerty: Global defence-spending on the up, despite economic crunch. iiss.org 25.02.2021.

[2] Kimberly Amadeo, Thomas J. Brock: US Military Budget, Its Components, Challenges, and Growth. thebalance.com 03.09.2020.

[3] S. dazu Chinas Gegenspieler (II).

[4] Die Trendwende Finanzen. bundeswehr.de.

[5] Deutschland meldet Nato Verteidigungsausgaben in Rekordhöhe. t-online.de 07.02.2021.

[6] Fenella McGerty: Global defence-spending on the up, despite economic crunch. iiss.org 25.02.2021.

[7] Verteidigungshaushalt 2021. bmvg.de.

[8] S. dazu Der digital-militärische Komplex.

[9] Hans Uwe Mergener: Flottenbauprogramm wird konkret. esut.de 01.02.2021.

[10] S. dazu "Ehrgeiz in der Sicherheitspolitik".

[11] Trends in International Arms Transfers, 2019. SIPRI Fact Sheet. Stockholm, March 2020.

[12] S. dazu Chinas Gegenspieler (II).

[13] Peter Carstens: Grüne Prioritäten für die Bundeswehr. Frankfurter Allgemeine Zeitung 23.02.2021.

Anti-Atomkraft-Bewegung erinnert an Fukushima

Lebenshaus-Newsletter - Mo, 01/03/2021 - 16:59
Zehn Jahre nach Beginn der Reaktorkatastrophe im japanischen Fukushima erinnern Atomkraftgegner*innen mit vielfältigen Aktivitäten an die Gefahren der Atomenergie-Nutzung. Angepasst... Michael Schmid http://www.lebenshaus-alb.de

Biden verkauft Raketen an Faschisten + US-Basis vernichtet uraltes Korallenriff

acTVism - Mo, 01/03/2021 - 16:57

In der redaktionellen Auswahl dieser Woche für das Import-Programm wählen wir ein von The Empire Files produziertes und von Abby Martin kommentiertes Video aus, in dem die jüngsten außenpolitischen Entwicklungen der Biden-Administration analysiert werden.

Der Beitrag Biden verkauft Raketen an Faschisten + US-Basis vernichtet uraltes Korallenriff erschien zuerst auf acTVism Munich.

Methan – die unterschätzte Gefahr. Ist der Kohleausstieg ein Fehler?

ISW München - Mo, 01/03/2021 - 14:47

Seit einiger Zeit steht in der Klimadiskussion ein neues Thema stark im Vordergrund: Methan. „Die globalen Methanmengen bereiten Klimaforschern schon länger Sorgen. Das Gas treibt die globale Erwärmung viel stärker voran als Kohlendioxid“. Methan ist der Hauptbestandteil von Erdgas. Ist also Erdgas das eigentliche Klimaproblem? „Erdgas wird gern als Klimaschützer verkauft. An dieser Botschaft arbeiten PR-Agenturen der Gas-Lobby seit Jahren“. Auch Teile der Klimawissenschaftler schießen sich auf Erdgas ein: Volker Quaschning, sehr kommunikationsintensiver Professor für Regenerative Energiesysteme, fragt, ob Erdgas „nicht fast genauso klimaschädlich wie die Kohle“ ist, ob Erdgas „ein völlig unterschätzter Klimakiller ist“. Die Scientists for Future geben am 28.01.2021 mit einem Diskussionsbeitrag eine klare Antwort: „Die Annahme einer im Vergleich zur Kohle günstigeren Klimabilanz von Erdgas muss revidiert werden“. Hans-Josef Fell, ex-MdB der Grünen, wesentlich am Zustandekommen des EEG beteiligt, bekräftigt und verschärft am 27.01.2021: „Erdgas ist bis zu 40% treibhausgasintensiver als das schon höchst klimaintensive Verbrennen von Erdöl oder Kohle“. Daher: „Erdgas als klimafreundlichere Alternative zu Kohle ist ein verbreiteter Irrglaube“.

Faktisch steht also der Vorwurf im Raum: Die Kohleausstiegsbewegung hat einen schweren Fehler gemacht, indem sie sich auf Kohle und Kohlendioxid konzentrierte. Statt Methan und den Erdgasverbrauch als hauptsächlichen Klimazerstörer zu attackieren, hat sie sich von der Gas-Lobby blenden lassen.

1. Methan

Methan und Kohlendioxid. Was ist wie klimaschädlich? Welche Problematik stellt sich?

Methan, chemisch CH₄, ist ein brennbarer Kohlenwasserstoff, dessen Verbrennungsprodukte Kohlendioxid CO₂ und Wasser H2O sind. Erdgas ist als natürlicher Rohstoff ein Gemisch aus verschiedenen Gasen (unterschiedlich auch je nach Vorkommen), aber meistens besteht es zu über 90 % aus Methan.

Den größten, allerdings nicht alleinigen, Anteil an der Klimazerstörung (d.h. die Zerstörung des seit der Eiszeit, seit 10.000 Jahren, herrschenden, für die menschliche Entwicklung sehr förderlichen Klimas) durch Erwärmung hat CO₂. Das zweitwichtigste Treibhausgas ist Methan. Während emittiertes CO₂ jahrhundertelang in der Atmosphäre verweilt (weswegen auch bei einem sofortigen Emissionsstopp von CO₂ die Erwärmung noch einige Zeit weiter geht), wird emittiertes Methan innerhalb von etwa 15 Jahren abgebaut und in zusätzliches CO₂ zersetzt. Das macht den Vergleich der Schädlichkeit schwierig. In der Regel nimmt man den Horizont der CO₂-Verweildauer als Zeitraum für den Vergleich, dann wird die Klimaschädlichkeit von Methan auf das etwa 25-fache von Kohlendioxid berechnet. Nimmt man einen Horizont von 100 Jahren, dann ist Methan etwa 36-mal so schädlich, und nimmt man einen 20-jährigen Horizont (also in etwa die Verweildauer des Methans), dann berechnet sich Methan als mindestens 85-mal so schädlich.

Für den Klimaschutz sind diese Verhältniszahlen ein zentraler Punkt: Je klimaschädlicher das Methan gewertet wird im Vergleich zum CO₂, desto wichtiger ist die Vermeidung von Methan und desto (relativ) unwichtiger wird die Vermeidung von CO₂.

Welche Maßzahl ist angemessen? Grundsätzlich ist natürlich die Gesamtzeitanalyse, und damit der Blick auf den Gesamtschaden auf das Klima, die richtige Perspektive, also das Treibhauspotenzial von Methan von 25. Aber die Regierungen (und auch die Mainstream-Gesellschaft!) boykottieren im Grunde jede wirkliche Klimaschutzpolitik, jedenfalls gemessen an den Notwendigkeiten und gemessen am in Paris abgegebenen feierlichen Versprechen, die Erwärmung unter 2°C zu halten. Zumindest die reichen Nationen müssten in den 2030er Jahren ihre klimaschädlichen Emissionen auf null runterfahren. Da das (zumindest bisher) ganz offensichtlich nicht passiert, geraten wir immer näher an die so genannten Kipppunkte: Das sind die Situationen, in denen einzelne wichtige Charakteristika des Weltklimas instabil werden und derart kippen, dass das nicht wieder rückgängig gemacht werden kann und vor allem, dass die weitere Klimazerstörung noch beschleunigt wird. Das Nächstliegende Beispiel ist das Schmelzen des arktischen Meereises mit der Folge einer starken Beschleunigung der Erwärmung, weil die jetzt dunkle Wasseroberfläche viel mehr Wärme aufnimmt und speichert als vorher die vereiste helle Arktis. Weitere Kipppunkte stehen Schlange (Abtauen des Grönlandeises mit Meeresspiegelanstieg, Vertrocknung der tropischen Wälder, v.a. des Amazonas, Auftauen des Permafrostes).

Also: Weil bisher bei weitem zu wenig getan wurde zum Schutz des Klimas, stehen wir jetzt vor einer ganz bösen Optimierungsentscheidung. Wir müssen im Grunde entscheiden:

  • Minimieren wir den Schaden für den Gesamtzeitraum (Priorität CO₂-Reduzierung), betrachten wir also die gesamten Emissionswirkungen der einzelnen Schadstoffe, dann riskieren wir, dass die nahen Kipppunkte voll zu wirken beginnen und nicht wieder rückgängig zu machenden Schaden stiften.
  • Oder minimieren wir den Schaden für den Nahzeitraum (Priorität CH₄-Reduzierung), um die Kipppunkte weiter hinaus zu schieben und noch Pufferzeit für die Abwendung der Klimazerstörung zu haben, dann riskieren wir, dass bei Nicht-Gelingen der Gesamtschaden noch sehr viel größer ausfallen wird.

Zugespitzt auf die Frage Kohle (sehr viel CO₂, wenig CH₄) versus Erdgas (wenig CO₂, viel CH₄) geht es darum: Ersetzen wir Erdgas durch Kohle (weil wir die Schädlichkeit von frei emittiertem Erdgas im Kurzfrist-Zeitraum viel höher gewichten müssen), dann stehen wir im kommenden 10- oder 20-Jahres-Zeitraum klimaschutzmäßig zwar eventuell günstiger da (was noch zu prüfen wäre!). Allerdings mit der Hypothek, dass – wenn wir den Zeitraum nicht nutzen zu einer tatsächlichen Überwindung der Erwärmungstendenz – wir nach 20 Jahren noch sehr viel schlechter dastehen als ohne die Erdgas-Zurückdrängung.

Das ist ein sehr sehr wichtiger Punkt, und es ist zweifellos ein Verdienst der Erdgas-Skeptiker in der Klimaschutz-Bewegung, das deutlich gemacht zu haben.

Dieses Optimierungsproblem, das sei noch angemerkt, führt uns in eine ähnliche Lage wie CCS (Kohlendioxid aus der Luft herausfiltern und in die Tiefsee der Weltmeere einlagern) und Geoengineering (Sonnenlicht im Weltraum abfangen, Algenwachstum fördern zum CO₂-Entzug usw.). Womöglich werden wir noch gezwungen, trotz aller schweren Nebenwirkungen und ungeklärten Langzeitwirkungen für CCS und Geoengineering zu plädieren, weil das vielleicht die letzte Chance ist, den Treibhauseffekt nicht völlig explodieren zu lassen. Eine völlig irre Zwangslage, verursacht durch hartnäckiges Nichtstun in Sachen Klimaschutz.

Woher stammen die Methanemissionen? Wieviel aus der Erdgaswirtschaft?

Methan ist, wie Kohlendioxid, ein Spurengas in der Luft. Der Anteil von Kohlendioxid ist seit der vorindustriellen Zeit von 280 ppm auf heute 410 ppm um fast die Hälfte gestiegen (ppm = Teile pro Million Luftteile, 410 ppm = 0,041 %). Dagegen hat der Anteil von Methan in der Luft in derselben Zeit von 0,430 ppm auf 1,870 ppm zugenommen, hat sich also mehr als vervierfacht. Der Einfluss von Methan auf das Klima hat sich also, relativ zum Kohlendioxid, verstärkt. Allerdings weiß man viel weniger als beim Kohlendioxid, wie viel die einzelnen Emittenten zu dem Anstieg beitragen. Zum Beispiel hat sich der früher starke Anstieg des Methans in der Zeit ab Mitte der 1990er Jahre für gut 10 Jahre stark verlangsamt. Mittlerweile steigt er wieder schnell, aber die Naturwissenschaft scheint sich nicht ganz sicher zu sein, wieso (es könnte auch sein, dass der Methanabbau in der Atmosphäre unterschiedlich schnell vor sich ging).

Wieviel wird nun derzeit emittiert? Dazu die folgende Grafik aus dem aktuellen Methane-Tracker der IEA (Methan und Klimawandel, Januar 2021). Diese fasst, nach IEA-eigener Darstellung, neuerdings die Ergebnisse von Top-Down-Studien und Bottom-Up-Schätzungen zusammen, um fundiertere globale Zahlen für die Methanemissionen zu liefern (Bottom-Up: Messungen / Berechnungen / Schätzungen an den einzelnen Quellen, die aufaddiert werden. Top-down: z.B. Messungen per Satellit, der große Lecks erkennen soll. Es gibt anscheinend beträchtliche Messdifferenzen zwischen den beiden Ansätzen und grundsätzlich enorme Messunsicherheiten.). Danach liegen die Emissionen bei etwa 570 Mio. Tonnen pro Jahr (CO₂: etwa 50 Mrd. Tonnen), davon 60 % aus anthropogenem Ursprung (durch menschliche Tätigkeit verursacht) und 40 % aus natürlichem Ursprung (davon das allermeiste aufsteigendes Methan aus den Feuchtgebieten, zudem auch Waldbrände).

Grafik 1: Ursprung der Methanemissionen in Mio. Tonnen

A = Energiewirtschaft, B = Abfallwirtschaft und Sonstiges, C = Landwirtschaft
1 = Bioenergie, 2 = Öl, 3 = Kohle, 4 = Erdgas
Quelle: IEA 2021.

Vom anthropogen erzeugten Methan resultieren 145 Mio. Tonnen, der bedeutendste Teil, aus der Landwirtschaft: Er hat zwei Hauptquellen: Zum einen die Wiederkäuer (Rinder, Schafe usw.), die bei der Verdauung Methan ausstoßen (etwas mehr als die Hälfte des Beitrags der Landwirtschaft), zum anderen der Reisanbau (in überfluteten Feldern wird biologisches Material sauerstoffarm abgebaut). Einen wichtigen Beitrag leistet auch die Abfallwirtschaft (Deponien, Kläranlagen, Biomasse-Verbrennung, zusammen gut 80 Mio. Tonnen). Und schließlich bleibt noch die Energiewirtschaft als Methan-Emittentin mit einem Beitrag von gut 120 Mio. Tonnen. Daran sind die großen fossilen Energien in etwa gleichmäßig beteiligt:

  • Erdgas mit 43 Mio. Tonnen,
  • Öl mit 29 Mio. Tonnen,
  • Kohle mit 40 Mio. Tonnen,
  • und Bioenergie mit 10 Mio. Tonnen.

Beim Erdgas stammen die Methanverluste aus der – schlampigen, unzureichend gesicherten, aufwendige Rückhaltemaßnahmen vermeidenden – Produktion, Reinigung und Verteilung. Bei Öl und Kohle dagegen ist Methan ein Begleitstoff, der unerwünscht ist (ein Auffang-, Aufbereitungs- und Verteilsystem ist für die kleinen Mengen unrentabel) und daher in die Luft abgelassen wird. Wir kennen das vom deutschen Kohlebergbau, in dem die Bergwerke sehr sorgfältig belüftet wurden, also das Begleitgas Methan (das Grubengas) abgesaugt wurde. Die früher häufigen Schlagwetter-Explosionen im Bergbau waren immer Methan-Explosionen. Und man kennt auch die Bilder von den riesigen Fackeln über den Ölfördergebieten, in denen das Begleitgas Methan, statt es zu verwerten, einfach zu CO₂ verbrannt wird und damit – immerhin – das Methan-Abblasen teilweise vermieden wird. Nur Teile der Begleitgas-Mitförderung werden genutzt und verwertet.

Die Gaswirtschaft ist also grad mal für 12 % der anthropogenen, und für 7 % aller Methanemissionen verantwortlich. Aus ihr kommen ähnlich hohe Methanverluste wie aus dem Kohlebergbau und aus der Ölförderung. Und etwa halb so hohe wie aus der Rinderzucht.

Wo können wir reduzieren? Wo müssen wir anpacken?

Nun haben wir mit den stark zunehmenden Methanemissionen ein wirklich großes und ein zunehmendes Klimaschutz-Problem. Wie gehen wir damit um, was hätten wir für Möglichkeiten?

  • Eine große Sache wäre, zu überlegen, wie man den Methanaustritt aus den Feuchtgebieten begrenzen könnte. Er steigt mit zunehmenden Temperaturen, ist insofern also auch anthropogen beeinflusst.
  • Man könnte gegen die beiden Haupttreiber in der Landwirtschaft angehen: Eine deutliche Begrenzung des Rindfleischkonsums in den reichen Ländern, auch von Milch- und Käseprodukten, könnte hier eine enorme Methanentlastung bewirken. Mal ein Steak weniger, mal veganen Käse probieren; wäre auch gut für das arme vernutzte Vieh. Beim Reisanbau sind neue Möglichkeiten der Emissionsreduzierung in der Diskussion, etwa durch eine zeitweise Entwässerung der Reisfelder.
  • Die Abfallwirtschaft: In Deutschland ist sie der einzige Bereich, in dem tatsächlich erhebliche Treibhausgas-Reduzierungen erreicht wurden: und zwar durch die Verringerung der Methanemissionen (Deponiegas). Hier bestehen weltweit also mit Sicherheit noch sehr viele Möglichkeiten.
  • Waldbrände verhüten.
  • In der Energiewirtschaft (Kohlebergbau, Öl- und Gasförderung): Methanaustritte reduzieren. Methan nicht absaugen und in die Luft ablassen, sondern auffangen. Laut IEA-Methane-Tracker sind hier durch einfache, günstige Maßnahmen Reduzierungen um etwa 30 % möglich, auf Dauer (bis 2030) sogar drei Viertel.
  • Und schließlich: den Erdgasverbrauch verringern.

Interessanterweise kreist die eingangs erwähnte Diskussion der Klimaschützer, die das Problem Methan behandeln, ausschließlich um den letzten Punkt: den Erdgasverbrauch keinesfalls ausdehnen, sondern schnellstmöglich eindämmen. Nicht zur Debatte stehen hier Möglichkeiten, Methanaustritte zu verringern, nicht nur in der Erdgaswirtschaft, sondern auch bei Öl und Kohle. Dass Methanverluste auch bei Öl und Kohle zu finden sind, und zwar wirklich nicht zu knapp, das ist kein Thema. Schon gar nicht die übrigen Bereiche, die hier aufgeführt sind.

Die erdgaskritischen Klimaschützer kaprizieren sich mit dem Austausch von Kohle gegen Erdgas ausgerechnet auf diejenige Art von Methanreduzierung, deren Preis ein riesiger zusätzlicher CO₂-Anstieg ist. Das ist: ein großes Problem richtig erkannt haben, aber mit dem untauglichsten aller Instrumente an einer wenig ergiebigen Stelle herum doktern wollen.

Selbstverständlich nichts gegen Überlegungen, auch den Erdgasverbrauch zu reduzieren – unbedingt nötig zum Klimaschutz – aber wenn es um Methanreduzierung geht, dann gibt es auf alle Fälle sehr viele Instrumente mit sehr viel höherer Wirkung, als ausgerechnet Erdgas gegen Kohle auszutauschen. Wenn hier so fest die Augen vor den großen Möglichkeiten zugedrückt werden, dann regt sich der Verdacht, dass die Motivation hier nicht die Suche nach dem besten Weg zur Methanreduzierung ist.

Abschließend: Wir kennen aus der obigen Grafik die absoluten Mengen an Methanverlusten aus der Gewinnung von Öl, Gas und Kohle (in Mio. Tonnen). Aber wie hoch sind die Methanverluste im Verhältnis zur gewonnenen Energie? Das ist ein wichtiger Gesichtspunkt beim Einsatzvergleich unterschiedlicher fossiler Energien, wenn es uns auf die Reduzierung der Methanemissionen ankommt. Mit Hilfe der Statistik der weltweiten Produktion von Energieträgern kann man berechnen:

  • Bei einer gewonnenen Energiemenge von 1000 kWh Erdgas nehmen wir weltweit im Durchschnitt 15 kWh Verluste durch Methanemissionen hin, d.h. 1,5 % der gewonnenen Menge geht als Methanemission verloren.
  • Pro 1000 kWh Ölerzeugung haben wir weltweit im Durchschnitt Methanverluste durch Abblasen usw. (nicht durch Abfackeln, das führt zu CO₂-Emissionen) in Höhe von 7 kWh.
  • Pro 1000 kWh Kohleerzeugung haben wir Methanverluste in Höhe von 12 kWh.

Damit wird deutlich, dass die Unterschiede keinesfalls so groß sind, dass man die Methanverluste bei der Öl- und Kohlegewinnung einfach vernachlässigen darf, dass es keinesfalls angemessen ist, sich allein auf die Methanverluste bei der Erdgasgewinnung zu konzentrieren.

2. Erdgas und Kohle

Die Hauptverwendung Stromerzeugung im Detail

Rechnen wir doch mal die Klimabelastung von Braunkohle und von Erdgas (mit Blick auch auf die Steinkohle) für die Kohle-Hauptverwendung Stromerzeugung anhand deutscher Verhältnisse durch. Dazu dient die anliegende Tabelle.

Durchschnitt der deutschen Stromerzeugung 2017 bis 2019 Steinkohle Braunkohle Erdgas Durchschnitt Erdgas effizient 60 % CO₂-Gehalt Rohstoffeinsatz g / MJ 92,7 109,6 54,5 54,5 Wirkungsgrad Stromerzeugung % 44,1 39,4 54,8 60,0 CO₂-Gehalt des Stroms g / kWh 757 1002 358 327 Wieviel Methan darf beim Erdgas entweichen, bis der Erdgas-Strom seinen CO₂-Vorteil gegenüber der Braunkohle verliert?

Wenn Methan 36-mal so klimazerstörend ist wie CO₂: Maximaler Methanverlust % des Erdgaseinsatzes 5,0 5,7 Wenn Methan 85-mal so klimazerstörend ist wie CO₂: Maximaler Methanverlust % des Erdgaseinsatzes 2,1 2,4 Quelle: BMWi 2020.

In der ersten Zeile ist zu sehen, dass der CO₂-Gehalt pro Energieeinheit bei der Braunkohle als Rohstoffeinsatz für die Stromerzeugung doppelt so hoch ist wie beim Erdgas. CO₂-mäßig ist Braunkohle der denkbar ungünstigste aller Brennstoffe. Der CO₂-Nachteil der Braunkohle verschärft sich in den Kraftwerken noch weiter massiv dadurch, dass der Wirkungsgrad bei der Braunkohle-Verstromung mit 39 % sehr viel schlechter ist als bei der Erdgas-Verstromung mit 55 %. Das bedeutet, dass das Produkt Braunkohlestrom gegenüber dem Produkt Erdgasstrom eine rund dreifach so hohe CO₂-Belastung aufweist: 1002 gegen 358 Gramm CO₂ pro kWh Strom.

An dieser Stelle ist der Skandal in Erinnerung zu rufen, dass die zur Zeit ihrer Fertigstellung um das Jahr 2010 weltweit effizientesten Gaskraftwerke – sie stehen in Irsching, Nähe Ingolstadt, sie sind praktisch neuwertig – nach wenigen Betriebsjahren, mittlerweile seit Jahren, stillstanden, weil Gas immer teurer war als Braunkohle. Sie weisen einen Wirkungsgrad von 60 % aus. Ich habe diese nicht nur ingenieurtheoretisch, sondern im industriellen Alltag effizientesten Kraftwerke in der letzten Spalte mit aufgenommen. Mit den endlich steigenden CO₂-Zertifikatspreisen im EU-Emissionshandelssystem dreht sich das Preisverhältnis. Erdgas für die Stromerzeugung wurde 2018 billiger als Steinkohle und 2020 billiger auch als Braunkohle. Seither wird auch das Kraftwerk Irsching wieder angefahren. Hocheffiziente Erdgas-Kraftwerke bringen noch um etwa 10 % bessere Ergebnisse als die durchschnittlichen deutschen Gaskraftwerke.

Wann verliert Erdgas seinen Klimavorteil gegenüber Kohle?

Nun müssen wir uns fragen: Wieviel Methan darf beim Erdgas entweichen, bis der Erdgas-Strom seinen CO₂-Vorteil gegenüber der Braunkohle verliert? (Anders als bei der Steinkohle ist die Braunkohleförderung wohl nur mit minimalen Methanverlusten verbunden.) Das hängt davon ab, wie hoch man das Treibhauspotenzial von Methan gegenüber Kohlendioxid ansetzt, siehe die Erläuterungen weiter vorne. Es errechnet sich: Wenn man Methan als 36-mal so klimazerstörend wie CO₂ rechnet (100-jähriger Zeithorizont), dann liegt diese Grenze bei 5,0 % Methanverlust bzw. bei 5,7 % für ein Erdgaskraftwerk mit 60 % Wirkungsgrad. Nimmt man den 20-jährigen Zeithorizont in die Analyse und geht man von einer 85-mal so hohen Klimazerstörungspotenzial von Erdgas gegenüber Braunkohle aus, dann reduzieren sich die „zulässigen“ Methanverlust-Grenzen auf 2,1 % für die durchschnittlich gegebenen Erdgaskraftwerke und auf 2,4 % für solche mit Wirkungsgrad 60 %.

Diese Werte liegen in der Größenordnung, von denen auch das IPCC ausgeht bei seiner Abschätzung, bei welchem maximalen Methanverlust Erdgas seine Klimavorteile gegenüber der Kohle verliert: 2,7 % im Fünften Sachstandsbericht 2014. Der besonders erdgaskritische Hans-Josef Fell, Mitautor der Energy-Watch-Group-Studie „Erdgas leistet keinen Beitrag zum Klimaschutz“, zitiert dort zustimmend eine Studie, nach der die Grenze für den maximalen Methanverlust, unterhalb dessen Erdgas noch klimagünstiger ist als Kohle, sogar bei 3,2 % liegt.

Steinkohle liegt in allen Kennwerten zwischen Braunkohle und Erdgas. Allerdings fallen bei der Steinkohleförderung ebenfalls, wie weiter oben dargestellt, Methanverluste an in Höhe von 1,2 % der geförderten Energiemengen (Welt-Durchschnitt). Rechnet man hier deren Treibhausgaswirksamkeit mit ein, dann ist Steinkohle noch klimaschädlicher als Braunkohle: es ergeben sich CO₂-Äquivalente von fast 1100 bzw. über 1500 g/kWh (bei 36-facher bzw. bei 85-facher Klimawirksamkeit des Methans).

Weiter mit dem Erdgas-Braunkohle-Vergleich, hier die entscheidende Frage: Bleibt die reale Gaswirtschaft unterhalb dieser Grenzwerte für Methanverluste, die im Bereich von 2 % bis 5 % liegen? Der IEA-Methane-Tracker (siehe weiter oben) hat eine weltdurchschnittliche Methanverlustrate von 1,5 % festgestellt. Weltdurchschnittliches Erdgas würde also in deutschen Kraftwerken klimaökologisch eindeutig günstiger abschneiden als heimische Braunkohle. Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe BGR hat vor einem Jahr die Klimabilanz von Erdgas untersucht und kommt zu folgendem Ergebnis: Die Methanemissionen aus Förderung, Aufbereitung, Reinigung und internationalem Transport des Gases nach Deutschland betragen, in % der Fördermenge:

Das Urteil sollte also eigentlich klar sein: Erdgas ist nicht klimafreundlich, sondern klimaschädlich und muss freilich auf null reduziert werden, aber es ist eindeutig weniger klimaschädlich als Kohle. „… nach aktuellen Studien [weist] Erdgas aus den betrachteten Ländern und Transportwegen einen Klimavorteil im Vergleich zur Verstromung von Kohle auf“.

Nordwesteuropäisches Gas ist aus Klimagesichtspunkten am günstigsten. Russisches Gas folgt dahinter, wobei die Emissionen in Russland mit höherer Unsicherheit geschätzt sind. Eine Einschränkung ist dagegen, vor allem bei den engen Grenzen von 2,1 % bzw. 2,4 %, beim US-Gas anzubringen, das extrem komprimiert, extrem gekühlt und dadurch verflüssigt als LNG (Liquefied Natural Gas, verflüssigtes Naturgas – die häufig zu lesende Bezeichnung Flüssiggas ist falsch. Flüssiggas ist ein Erzeugnis der Raffinerien aus Erdöl und besteht aus Butan, Propan usw. Man kennt es z.B. als Gas für Campingkocher) per Schiff nach Europa transportiert wird: Hier muss der im Vergleich zum Pipeline-Transport riesige Energiebedarf für Verflüssigung, Schiffsantrieb und Regasifizierung in Rechnung gestellt werden – zwar kein Methanverlust, aber zusätzliche Verbrennungsemissionen: etwa 10 bis 15 % der Bruttogasmenge muss für den Antrieb der Verdichter und der Schiffsmotoren verbrannt werden. Von der Fördermenge kommen also faktisch bloß noch 85 % in Europa an.

Hinzu kommt, dass US-Erdgas zu steigenden Anteilen Frackinggas ist: Gefördert in einem Prozess, der durch extrem hohe Druckeinleitung in den Boden und durch das Einpressen einer Vielzahl unterschiedlicher Chemikalien in großen Mengen den Boden aufsprengt und dadurch das Gas nach oben treibt. Eine vom Umweltbundesamt veröffentlichte Untersuchung kommt zum Ergebnis, dass sowohl Frackinggas im Vergleich zum konventionellen Gas wie auch der LNG-Transport im Vergleich zum Pipeline-Transport klimaökologisch jeweils eindeutig ungünstiger sind.

Um es klar zu sagen: Hinsichtlich der Klimaschädlichkeit gibt es zwei Typen von Erdgas (auch wenn beide zu > 90 % aus Methan bestehen, physisch also derselbe Stoff sind): US-LNG-Frackinggas und europäisches konventionell gefördertes Pipeline-Gas. Frackinggas auf LNG-Schiffen liegt voll auf Braunkohlequalität.

Um den Braunkohle-Erdgas-Vergleich bei der Stromerzeugung abzuschließen, ein Letztes und noch sehr Wichtiges hierzu: Gaskraftwerke lassen sich in Minutenschnelle von Volllast auf null runter regeln und umgekehrt. Kohlekraftwerke brauchen dafür Stunden oder Tage. Kohlekraftwerke als Puffer für intermittierende regenerative Erzeugung bedeuten also immer beträchtliche Verluste (also völlig überflüssige Emissionen) wegen zu langsamer, unzureichender Regelung. Gute Regelbarkeit hilft, den Speicherbedarf für Strom begrenzt zu halten.

Wie rechnen die Erdgaskritiker? Wieso kommen sie auf entgegengesetzte Ergebnisse?

Die Scientists for Future haben in einem Diskussionsbeitrag „Ausbau der Erdgas-Infrastruktur: Brückentechnologie oder Risiko für die Energiewende?“ das sehr eindeutige Resümee gezogen: „Die Annahme einer im Vergleich zur Kohle günstigeren Klimabilanz von Erdgas muss revidiert werden“. Wie begründen sie das? Leider führen sie nur sehr wenige und vage Erkenntnisse und Mutmaßungen an: „Oft werden die Methanemissionen … nicht oder nicht vollständig in die Berechnung der Klimawirkung von Erdgas einbezogen. Diese können jedoch bei ≈ 2,3 bis 6 % der Gesamtfördermenge liegen. Einige Schätzungen gehen sogar von 17 % aus.“ Bezieht man sie ein, dann „kann Erdgas unter bestimmten Bedingungen eine ähnlich schlechte Klimabilanz aufweisen wie Kohle.“ Das ist die gesamte Argumentation hierzu. Das „kann“ und „können“ und die „bestimmten Bedingungen“ stehen im Kontrast zum klaren Resümee.

Hans-Josef Fell kommt in seiner Energy-Watch-Group-Studie zum Ergebnis: „Insgesamt erhöht die Umstellung von Kohle und Erdöl auf Erdgas in Kraftwerken und Heizungen sogar den Treibhauseffekt des Energieverbrauchs um rund 40%“. Um auf dieses Ergebnis zu kommen, setzt er, hinsichtlich der Stromerzeugung, zwei Annahmen: Erstens sagt er, die Umstellung von Kohle auf Erdgas erfordere neue, zusätzliche Erdgasfelder, die wesentlich schwieriger und verlustreicher auszubeuten seien als die bestehenden. Während bei den bestehenden Feldern 0,8 % des gewonnenen Gases entweiche (Methanverluste), nimmt er für die neuen Felder 1,5 % Methanverluste an (rückgerechnet aus der Abbildung 3 in seiner Studie). Klar, dass diese Differenz angesichts des 85-fachen Erwärmungspotenzials von Methan deutlich negativ wirkt. Weiterhin geht er davon aus, dass dieses Gas in Kraftwerken mit einem Wirkungsgrad von nur 32 % in Strom umgewandelt wird. Er argumentiert, technisch seien höhere Wirkungsgrade möglich, würden aber nicht eingesetzt, weil solche Kraftwerke nicht konkurrenzfähig seien. In der Wirklichkeit schwankt der durchschnittliche Wirkungsgrad in deutschen Gaskraftwerken seit vielen Jahren um die 55 % bzw. steigt von Jahrzehnt zu Jahrzehnt kontinuierlich.

Diese Annahmen sind Willkür, insbesondere der unverständliche Wirkungsgrad von 32 %. Hätte Fell ein Gaskraftwerk mit einem Wirkungsgrad von 60 % herangezogen – also fast den doppelt so hohen Wirkungsgrad – dann hätte er auch in seinem Modell annähernd halbierte Klimawirkungen pro erzeugter kWh errechnet. Statt eine um 41 % höhere Klimazerstörung im Vergleich zum Kohlestrom hätte der Erdgasstrom dann eine um 25 % niedrigere Klimazerstörung. Und dies trotz (also mit Einrechnung) eines Methanverlustes von 1,5 % der erzeugten Gasmenge. Die These dieser Studie, der Umstieg von Kohle auf Erdgas beschleunige den Klimawandel, beruht also auf ausgesprochen extremen, irrealen Annahmen.

3. Und statt Oder: Die Klimazerstörung mit allen guten Mitteln bekämpfen

Brauchen wir eine Brückentechnologie? Sollten wir keine wollen?

In allen Stellungnahmen der erdgaskritischen Klimaschützer geht es zuvorderst darum, eine Brückentechnologie abzulehnen. Und schon gar nicht darf Erdgas diese Rolle spielen. Unter Brückentechnologie versteht man eine Form der Energieerzeugung (v.a. beim Strom), die sich vom alten fossil-atomaren Muster löst und als weniger zerstörerische Technik den Übergang in eine nachhaltige Energiewirtschaft erleichtert.

Der Begriff der Brückentechnologie ist in der Tat sehr missbraucht worden. Alles sollte schon mal die Brücke spielen: sogar Atomkraftwerke und auch die Braunkohlegruben und -kraftwerke, die man unbedingt als Rückfallsicherheit brauche.

Aber andererseits ist es blauäugig, vor der irrsinnig langsamen Politik und ihrem Zulassen, gar Fördern, eines Torkelns in eine klimakatastrophale Zukunft seine Augen zu verschließen. Und mit Fell zu rufen: „100% erneuerbare Energien sind die einzige Option“. Klar, selbstverständlich, in der Tat – aber die folgende Grafik zeigt, dass das alleinige Rufen nach sofortiger 100-%iger Erneuerbarkeit irgendwo auch recht hilflos ist. Dass in Deutschland die Regenerativen an der Stromerzeugung mittlerweile einen Anteil um die 50 % haben, das verdunkelt den Blick auf das Wesentliche: Regenerative Stromerzeugung ist etwas Einfaches, einfach jedenfalls im Vergleich zu den anderen Formen von Energiebedarfen (Gebäudeheizung, Verkehr, industrielle Hochtemperatur, die stoffliche Nutzung von Gas und Öl für Kunststoffe, sowie Emissionen aus industriellen Prozessen wie die Zementherstellung) – und das sind die viel gewichtigeren im Vergleich zum Strom.

Grafik 2: Anteil erneuerbarer Energien am Primärenergieverbrauch

Quelle: BMWi 2020, bp 2020.

Die Grafik zeigt, wir haben derzeit in unserem Land einen Anteil der Regenerativen am gesamten Energieverbrauch (Primärenergieverbrauch) von knapp 15 %. Nach jahrzehntelanger Klimaschutzpolitik nur 15 %! Und, schlimmer noch: Fast zwei Drittel dieser Regenerativen beruhen auf Wasserkraft, Holzverbrauch, Biogas, Müllverbrennung, also auf Quellen, die jetzt schon weitgehend ausgeschöpft sind. Nur ein Drittel beruht auf Sonne, Wind, Geothermie! In einer solchen Situation wäre es einfach unsinnig, die Realität zu verdrängen und eine Brückentechnologie-Diskussion abzulehnen, nur um die Forderung nach 100 % Regenerativen hochzuhalten. Natürlich müssen wir angesichts einer so verheerenden Situation überlegen, welche Energieträger wir benutzen wollen (neben dem wichtigeren Aspekt, welche Anwendungen wir schnellstmöglich reduzieren wollen) während der Zeit, die wir zwangsläufig brauchen, um zehn- oder zwanzigmal so viele PV-Anlagen und Windräder aufzustellen wie wir bisher schon hingestellt haben. Oder Energiesparinvestitionen durchführen. Oder vielleicht doch mal ein bisschen Konsumreduzierung betreiben. Und natürlich müssen wir zudem und gleichzeitig die Methanemissionen dringend zurückdrängen, auch durch technische Unterstützung für arme Länder.

Weltweit sieht es noch trister aus (auch und vor allem weltweit wollen wir ja 100 % Regenerative): Der Anteil erneuerbarer Energien liegt bei 5 % und er schließt auch den Verbrauch von Holz usw. mit ein.

Nordstream 2

Ich habe sehr den Eindruck, dass all die um sich greifenden Erdgas-Bashing-Diskussionen dazu dienen sollen, die Nordstream-2-Leitung auszuhebeln: Ist Erdgas im öffentlichen Bewusstsein klimaschädlicher als Kohle, dann ist Nordstream moralisch verwerflich und darf also nicht gebaut werden. Tatsächlich hat Nordstream 2 meines Erachtens mit der versorgungstechnisch notwendigen Gasinfrastruktur kaum etwas zu tun. Bei Nordstream geht es in erster Linie um machtpolitische Ziele – die Gasinfrastruktur ist hier ein vorgeschobenes Argument. Es geht um die Ukraine, und um Russland und die USA. In der Ukraine verläuft die zentrale Pipeline von Russland in den Westen, mehrfach voluminöser als alle anderen Ost-West-Leitungen zusammen und (zumindest mit Nordstream 1) voll ausreichend zur Versorgung (erst recht, wenn wir künftig neben dem Kohle- und Öl- auch den Gasverbrauch reduzieren). Die Ukrainer haben damit faktisch ein Durchleitungsmonopol – und sie haben das in der Vergangenheit in Form von Durchfluss-Blockaden durchaus ausgenutzt, um höhere Durchleitungsentgelte zu erreichen (total übliches Markthandeln). Um das zu verhindern, wurde Nordstream erfunden, wobei dieses Ziel anfangs ganz klar und eindeutig auch so diskutiert wurde (auch total marktkonform). Und das war (ist) auch im Interesse und im Sinne nicht nur der blockadegenervten deutschen, sondern auch der französischen usw. Erdgaswirtschaft.

Der Konflikt USA – Russland hat sich seither massiv verschärft und die Ukraine ist völlig in US-Abhängigkeit geraten. Daher: Die Russen wollen erst recht eine Ukraine-unabhängige Leitung nach Westen; die USA wollen ganz offensichtlich genau das verhindern, um mit Hilfe der Ukraine (Blockadepolitik) die Russen wirtschaftlich in die Enge zu treiben, und, als Bonbon obendrauf, die Europäer mit Fracking-LNG aus der Blockadekälte zu erlösen. Daher der fleißige Bau von LNG-Terminals (unterstützt mit massig Steuergeld und plumpen Anbiederungen an die USA, wie wir derzeit erfahren), die wir versorgungstechnisch schon gleich gar nicht brauchen. Aber eben auch: Technische Versorgungsgründe hat Nordstream 2 nicht – das ist völlig unabhängig davon, ob man Putin mag und wie man zum Konflikt USA – Russland – Ukraine stehen mag.

Weiterführendes

4 Links

Provisorium in Tripolis

Lebenshaus-Newsletter - Mo, 01/03/2021 - 05:05
Libyen: Die UNO hat einem ruinierten Staat eine neue Regierung verpasst, die bald Wahlen organisieren soll. Von Sabine Kebir.... Michael Schmid http://www.lebenshaus-alb.de

Deutschland übernimmt größeren Anteil an Nato-Kosten

No to NATO - Mo, 01/03/2021 - 02:06
Ab 2021 wird Deutschland einen gleich hohen Beitrag an die Nato überweisen wie die USA. Die Regierung in Paris lehnt den neuen Verteilungsschlüssel jedoch ab. 28. November 2019, 7:23 Uhr Quelle: ZEIT ONLINE, dpa https://www.zeit.de/politik/deutschland/2019-11/nato-ausgaben-deutschland-usa-frankreich-aufteilung-kosten  

Wir gehen wieder auf die Straße! | #1 Newsletter 2021

No to NATO - Mo, 01/03/2021 - 02:03
Wir gehen wieder auf die Straße! | #1 Newsletter 2021  

Landgericht Siegen verhandelt über militärkritische Drohnen-Aufrufe zum Whistleblowing

No to NATO - Mo, 01/03/2021 - 02:02
Landgericht Siegen verhandelt über militärkritische Drohnen-Aufrufe zum Whistleblowing

Klammheimliche Ausweitung der Bundeswehr-Mission in Irak

No to NATO - Mo, 01/03/2021 - 01:59
Alexander Neu ist Abgeordneter der Partei Die Linke im Deutschen Bundestag und Obmann im Verteidigungsausschuss. Vor wenigen Tagen erlebte er eine Überraschung: Die NATO hat ihre Mission im Irak von 500 auf 4.000 Soldaten aufgestockt, obwohl das irakische Parlament den Abzug aller ausländischen Truppen aus dem Irak gefordert hat. Die Abgeordneten im Verteidigungsausschuss waren nicht informiert. In den Medien wurde dieser Entschluss kaum thematisiert. Karin Leukefeld sprach für die NachDenkSeiten mit Alexander Neu. Ein Artikel von: Redaktion   NachDenkSeiten  23.02.2021 https://www.nachdenkseiten.de/?p=70129

E. Martin Schotz, MD: The Logic of the Nuclear Age and the Illogic of US Nuclear Weapons Policy

No to NATO - Mo, 01/03/2021 - 01:54
E. Martin Schotz, MD: The Logic of the Nuclear Age and the Illogic of US Nuclear Weapons Policy

When robots decide on life and death

No to NATO - Mo, 01/03/2021 - 01:51
They are dressed in black in the desert heat at Creech air force base, one of the US command centers for armed drones. In their hands are the small coffins marked with Iraq, Afghanistan, Somalia and Yemen — countries where American drones have extinguished several lives. https://www.opednews.com/articles/When-robots-decide-on-life-by-Olof-Klugman-China_Death-Civilians_Murder-By-Drone_Peace-210223-867.html      

Kampagne »Stopp Air Base Ramstein« kündigt Protest vor Gericht an

No to NATO - Mo, 01/03/2021 - 01:14
Das Landgericht Siegen verhandelt am Freitag, 26.2.2021, 10.00 Uhr (Sitzungssaal 029, Berliner Straße 22, 57072 Siegen), über eine Anklage der Staatsanwaltschaft Siegen gegen den Friedensaktivisten Hermann Theisen (Hirschberg), der Mitglied der Deutschen Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen ist und von Rechtsanwalt Martin Heiming (Heidelberg) verteidigt wird. Theisen hatte im Sommer 2019 vor dem US-Stützpunkt Ramstein, am United States Africa Command in Stuttgart, am Bundesverteidigungsministerium in Bonn und an der Hachenberg-Kaserne im Siegerland militärkritische Flugblätter verteilt. https://www.jungewelt.de/artikel/397223.kampagne-stopp-air-base-ramstein-k%C3%BCndigt-protest-vor-gericht-an.html

Peace research perspectives on NATO 2030

No to NATO - Mo, 01/03/2021 - 01:11
A response to the official NATO Reflection Group peace_research_perspectives_on_nato_2030.pdf

What Planet Is NATO Living On?

No to NATO - Mo, 01/03/2021 - 00:56
What Planet Is NATO Living On?  

Hat Trump bei Hospital Rotstift angesetzt?

No to NATO - Mo, 01/03/2021 - 00:20
Nachgehakt: Im Jahr 2022 sollte das neue US-Hospital ursprünglich fertig sein, doch wer an der Baustelle bei Weilerbach vorbeifährt, sieht anno 2021 hinter dem Zaun nichts als planierte rote Erde. Von Krankenhausbauten keine Spur. Wie steht es um das Projekt, das rund eine Milliarde Euro kosten soll und um das es in letzter Zeit ziemlich still geworden ist? Von Gabriele Schöfer RHEINPFALZ, 26.2.21 https://www.rheinpfalz.de/lokal/kreis-kaiserslautern_artikel,-wie-es-mit-dem-neubau-des-us-hospitals-in-weilerbach-weitergeht-_arid,5173244.html Leider ein bezahl Artikel, deswegen nur hier noch ein Zitat daraus: Wie der Reichenbach-Steegener Bundestagsabgeordnete der … Continue reading →

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