


In diesem Video, das exklusiv auf Deutsch auf unserem Kanal veröffentlicht wurde, spricht der mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnete Journalist Glenn Greenwald über eine seltene öffentliche Selbstkritik des konservativen US-Journalisten und Moderators Tucker Carlson. Carlson blickt auf frühere Positionen zum Irakkrieg, zum Islam und zur US-Außenpolitik zurück und räumt offen ein, wie sehr er sich geirrt […]
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Zu was braucht die Politik Kommissionen? Um sich dahinter zu verstecken. Die Rentenkommission hat ihren Bericht geliefert. Die Politik ist begeistert. Programm aus einem Wurf! Merz verspricht den Vorschlag ohne Abstriche umzusetzen. Es kommt: das schwedische Modell.
Von uns Kritikern der deutschen Rentenpolitik wurde das österreichische Rentenmodell bevorzugt. Alle Erwerbstätigen wurden dort in eine Rente zusammengefasst. Ergebnis: In Österreich sind die Renten ungefähr um ein Drittel höher als in Deutschland. Die Losung, die sich hier ausbreitete, war Erwerbstätigenversicherung unter Einbeziehung aller Erwerbspersonen, inklusive Selbständigen und Beamten, bei gleichzeitiger Abschaffung von Bemessungsgrenzen. Unter den abhängig Beschäftigten hat das eine breite Anhängerschaft gewonnen.
Dagegen wurde von den Kapitalverbänden eingewandt, dass man nicht Rosinen rauspicken sollte. Das österreichische Modell habe Nachteile und sei auf Deutschland nicht anwendbar. An seiner Stelle propagierten sie das schwedische Modell. Schweden habe es geschafft durch die Einführung einer staatlichen, alle Erwerbspersonen verpflichtenden Kapitalrente seine Rentenkrise zu überwinden und stabile ertragreiche Renten zu ermöglichen. Das bräuchten wir auch.
Die Rentenkommission empfiehlt, damit ab 2028 endlich ernst zu machen und die zweite Säule einer gesetzlichen Rente auf Kapitalbasis anzupacken. Zuerst sollen dazu 0,5 Prozent des Bruttolohns herangezogen werden und die Einzahlung sollte schnell auf 2 Prozent gesteigert werden.
Hier wird eine Rosine herausgepickt. Mit dem schwedischen Rentenmodell hat das wenig zu tun.In Schweden hat die Alterssicherung hauptsächlich drei Elemente. Es gibt die Einkommensrente aus dem Umlageverfahren. Dazu werden insgesamt 16 Prozent der Bruttolohnsumme monatlich eingezahlt. Dazu kommt die Prämienrente. Der Rentenertrag daraus ergibt sich aus der Rendite des am Kapitalmarkt agierenden staatlichen Rentenfonds. Dafür werden obligatorisch 2,5 Prozent des Bruttolohns eingezahlt. Beide Rentenarten erfordern also 18,5 Prozent der Bruttolohnsumme. Das ist mit unserem Rentenbeitrag von 18,6 Prozent vergleichbar.
Aber es gibt einen wesentlichen Unterschied. Von den 18,5 Prozent bezahlt in Schweden der Unternehmer 11 Prozent, die abhängig Beschäftigten 7,5 Prozent. Die 7,5 Prozent der abhängig Beschäftigten werden auf die Steuerlast angerechnet und mindern die Steuerzahlung. Dann hat das schwedische Rentensystem noch eine 3. Säule: die Betriebsrente. Sie wird ausschließlich von den Unternehmen bezahlt, die dafür mindestens 4,5 Prozent der Bruttolohnsumme aufwenden und am Kapitalmarkt anlegen müssen. 90 Prozent der schwedischen Rentner sind durch eine Betriebsrente gesichert. (1)
Aus diesen drei Säulen erhalten die schwedischen Rentnerinnen und Rentner eine deutlich höhere Rentenleistung als die Deutschen. Ihr Sicherungsniveau aus allen Elementen beträgt für einen Vollzeitbeschäftigten knapp 80 Prozent des Nettolohns. Dafür müssen die Schweden keineswegs länger arbeiten als wir Deutschen. Das durchschnittlicher Rentenzugangsalter in der Einkommensrente in Schweden liegt bei 64,5 Jahren, während es in Deutschland inzwischen bei 64,7 liegt. Was die Bezugsdauer betrifft, ist interessant zu wissen, dass die durchschnittliche Lebenserwartung in Schweden 2,6 Jahre länger ist als in Deutschland, woraus logisch folgt, dass die Rentenbezugszeit in Schweden deutlich länger sein muss als bei uns.
Der Standardwert der Einkommensrente aus der Umlageversicherung, der in Schweden mindestens 50 Prozent des vorigen Nettolohns sichert, wird in Schweden in 40 Versicherungsjahren erreicht. Bei uns braucht man dazu 45 Jahre seit der Rentenreform von 1991. Würde man zu den 40 Jahren zurückkehren, müsste man den jährlichen Rentenwert um 5 Punkte erhöhen.
Wollen die Vertreter des schwedischen Modells das alles wirklich? Mitnichten!Sie wollen nur eine Rosine rauspicken und die nur in verschrumpelter Form. Die Rosine heißt Einstieg in eine obligatorische kapitalgedeckte Rente mit dem Ziel, die gesetzliche Rente aus dem Umlageverfahren zu schwächen. Parallel zum Aufbau einer kapitalgedeckten Rente soll der Nachhaltigkeitsfaktor, der die umlagefinanzierte Rente senkt, wieder wirksam werden. Die sogenannte Haltelinie der Rente von 48 Prozent vom bereinigten Netto vor Steuern soll so um ca. drei Prozent in den nächsten Jahren fallen. Die Erträge aus der neuen Zusatzrente sollen, so wird versprochen, die Verluste auf 48 Prozent ausgleichen und damit die Rente stabilisieren. Das ist eine erhebliche Verschlechterung selbst gegenüber der Riesterrentenreform. Die Zusatzrenten sollten, so wurde versprochen, die Rentenhöhe auf 51 bis 53 Prozent anheben und nicht nur stabilisieren.
Heute will man die Rente senken und verlangt deswegen für den alten Wert einen höheren Beitrag. Dass die Kapitalrente die Rentensenkung nicht kompensieren wird, sei zusätzlich angemerkt.
Gleichzeitig soll es immer schwerer werden in Rente zu gehen. Die sogenannte Rente mit 63, die es heute noch erlaubt im Jahr 2028 mit 45 Versicherungsjahren mit 64 in Rente zu gehen, soll ersatzlos gestrichen werden. Auch die Möglichkeit, mit 63 Jahren durch Inkaufnahme von Rentenabschlägen aus dem Arbeitsleben auszuscheiden, soll erschwert werden. Die dafür geforderten Abschläge von heute immerhin 3,6 Prozent pro Jahr sollen deutlich erhöht werden.
Auch hier haben die Schweden es besser. In Schweden kann jeder mit 63 Jahren in Rente gehen. Rentenabschläge sind hinzunehmen.
Was aber ist der eigentliche Skandal!Sowohl in Schweden wie in Österreich und den meisten Ländern Europas sind die Renten oft um ein Drittel höher als bei uns. Darüber gibt die OECD mit der Statistik „Rente auf einen Blick“ immer wieder Auskunft. Danach betrug das Sicherungsniveau der gesetzlichen Rente 2023 in Deutschland 47,8 Prozent zum bereinigten Nettolohn. Der Durchschnitt der EU-Länder lag bei 66,7 Prozent. Niedriger als in Deutschland waren die Renten nur in Polen und Litauen. (2)
Das Land, das als das wirtschaftsstärkste Europas gilt und deshalb die politische und militärische Führung beansprucht, hat das mieseste Rentensystem. Der Anteil am BIP für Renten ist in Deutschland mit 9,5 Prozent (3) deutlich niedriger als in den meisten europäischen Ländern (Schweden 10,7 Prozent).
Der Bezug auf das schwedische Modell ist ein einzige Lüge.Was daran allein interessiert, ist die Absicht kapitalgedeckte Rentenelemente aufzubauen und die Erwerbstätigen zu zwingen, ihr Geld Finanzhaien anzuvertrauen, weil die gesetzliche Rente keine Absicherung mehr bietet. So wurde schon mit den Betriebsrenten verfahren. Dafür zahlen fast nur noch die Erwerbstätigen ein, ohne Garantien für die Zukunft zu erhalten. (4) Auch hier ist der Unterschied zu Schweden fundamental, denn dort sind es die Unternehmer, die die Kosten tragen. Treiber der Kostenverlagerer auf die abhängig Beschäftigten sind die Bundesvereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) und die Versicherungsunternehmen. Sie haben sich sofort gegen die neue Kapitalrente gestellt, weil sie Zusatzbeiträge auch von Unternehmern verlangt und vom Staat verwaltet werden soll. Ihre Schlagworte sind Eigenverantwortung und Freiwilligkeit. Der BDA will die Lohnkosten senken und die Versicherungen wollen den Zugriff auf die Versicherungsprämien/policen ohne Beschränkung der Vermittlungs- und Verwaltungskosten. Beide wollen sie die privaten Beiträge der Versicherten erhöhen, um möglichst viel privates Geld für den Geldmarkt zu gewinnen. Deswegen romantisieren sie das Aktienkapital, verschweigen die Risiken und versprechen goldene Zeiten.
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Anmerkungen
(1) https://taz.de/Aktienrente-in-Skandinavien/!6067196/
(2) OECD Pensions at a Glance, 2023
(3) 22.5.2025 — Rentenversicherung. Bund. Bundesmittel: Wofür der Staat. Steuereinnahmen an die. Rentenversicherung zahlt. Imke Brüggemann-Borck und Edgar Kruse.
(4) https://www.unsere-zeit.de/rente-mit-sozialbetrugsanteil-4815895/
In diesem Interview spricht unser leitender Redakteur Zain Raza mit dem Journalisten und Menschenrechtsanwalt Dimitri Lascaris über die geopolitischen Krisen, die die Welt neu ordnen: den US-Krieg gegen Iran, das neue Abkommen mit Teheran, den Einfluss der zionistischen Lobby auf die US-Außenpolitik, Gaza und die jüngsten UN-Erkenntnisse. Sie analysieren zudem die Erzählung, dass die Ukraine […]
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Die Internationale Energieagentur IEA , eine Organisation der OECD mit dem Auftrag, die weltweite Energieversorgung zu analysieren und die Energiepolitik der reichen Länder zu beraten, hat im Mai 2026 einen Bericht „World Energy Investment“ vorgelegt. Darin geht es um Investitionen mit Bezug auf Energie. Hier die zentrale Grafik über die Zusammensetzung und die Entwicklung dieser Investitionen.
Man muss vorab betonen, dass die Gesamtkosten des Energiesystems weit höher liegen. Neben den Investitionskosten fallen noch die laufenden Kosten für Löhne, Material, Profite, Steuern an, mal ganz abgesehen von den entstehenden Umweltschäden. Aber die Investitionen in ihrer Höhe und Richtung sind es, die das ganze System steuern und vorwärts treiben.
Als Gesamtsumme an Investitionen werden von der IEA 3.400 Milliarden US-Dollar für 2026 erwartet. Das ist eine so gigantische Summe, dass wohl manche LeserInnen nicht viel damit anfangen können. Daher zur Einordnung: Das weltweite BIP betrug 2024 (letztverfügbare Statistik) laut Weltbank 111.000 Mrd. Dollar, für 2026 könnte es 120.000 Mrd. Dollar erreichen. Die Energieinvestitionen belaufen sich also auf knapp 3 % des weltweiten BIP (deutsches BIP zum Vergleich in 2024: 4.685 Mrd. Dollar; Bundeshaushaltsplanung 2026: etwa 600 Mrd. Dollar).
Bezogen auf die Weltbevölkerung (8,14 Milliarden in 2024) ergeben sich 420 Dollar Energieinvestitionen pro Kopf. Das entspricht für den Bundesbürger vier bis fünf Tankfüllungen pro Jahr. Für die 850 Millionen der Erdenbürger, die weniger als 3 Dollar Einkommen pro Tag haben (in US-Kaufkraft!), stellen 420 Dollar rund 40 % ihres Jahreseinkommens dar.
Die letzte Zählung des Forbes Magazins für 2026 kam auf weltweit 3400 Milliardäre mit einem Vermögen von zusammen 20.100 Mrd. Dollar (Tagesschau, 11. 3. 2026). Für diese 3.400 Menschen sind 3.400 Mrd. Dollar eine überschaubare, fast alltägliche Größe, ein Sechstel ihres Vermögens. Je nach Betrachtung und Einordnung sind die 3.400 Mrd. Dollar also ein gigantischer oder ein durchaus überschaubarer Betrag.
Aber darum geht es mir eigentlich gar nicht. Es geht mir darum, was mit diesen Investitionen bewerkstelligt wird und ob sie womöglich fehl orientiert sind. Tatsächlich werfen diese Investitionen eine Reihe von Problemen auf.
Problem 1: Investitionen in KlimazerstörungBetrachtet man die Aufteilung der Investitionen, dann sieht man: Über all die Jahre gehen rund 1200 Mrd. Dollar in Anlagen zur Förderung von Kohle, Öl und Gas. Kohle um die 200, Öl und Gas je um die 500 Mrd. Dollar. Jedes Jahr werden 1.200 Mrd. Dollar für neue, zusätzliche Bohrtürme, Schächte, Maschinen, Bauten und auch für Forschung ausgegeben, um die vorhandenen fossilen Bodenschätze immer weiter und mit immer noch ausgeklügelteren Methoden auszubeuten, um Umwelt und Klima nachdrücklich und noch intensiver zu zerstören. Wir führen hocheffizient Zerstörungen unseres Klimas herbei, die nie mehr rückgängig gemacht werden können, auch nicht von unseren Enkeln, Urenkeln, Ururenkeln. Die mit einem Investitionsaufwand von jährlich 1.200 Mrd. Dollar abgetauten grönländischen Gletscher kommen nicht wieder, das einmal versteppte Amazonasgebiet bleibt versteppt, der zusammengebrochene Golfstrom bleibt verschwunden, die aus dem bisherigen Permafrost entwichenen Klimagase kommen nicht mehr dorthin zurück. Jedes folgende Jahr nach 2026 wird noch heißer, ungemütlicher, lebensfeindlicher. Aber die 1.200 Mrd. Dollar Investitionen rentieren sich, machen reich, bescheren einigen ein konsumfrohes, luxuriöses Leben.
„Viele machen sich nicht klar, dass eine Drei-Grad-Welt für die meisten Landgebiete sechs Grad Erwärmung bedeutet. … Noch mehr Sorgen mache ich mir aber um die Ernährungssicherheit. Wir wissen einfach nicht, ob wir in einer Drei-Grad-Welt noch genug ernten, um die ganze Welt ernähren zu können.“ (Stefan Rahmstorf, Klimaforscher am PIK)
„Der Klimawandel wird verheerende Folgen für Menschen in Armut haben. … Wir haben einen Punkt erreicht, an dem im besten Fall [!] bis zum Ende dieses Jahrhunderts Tod und Leid weit verbreitet sind und im schlimmsten Fall die Menschheit am Rande der Ausrottung steht. … Die Entwicklungsländer werden schätzungsweise 75 bis 80 % der Kosten des Klimawandels tragen.“ (Der UN-Sonderberichterstatter für extreme Armut und Menschenrechte, 2019)
Aufteilung der InvestitionenIch fasse die einzelnen Investitionen in vier Blöcke zusammen (Werte für 2026):
Die beiden mittleren Kategorien haben die Zunahme der Energieinvestitionen seit 2020 getragen, während die Investitionen in Fossile und in den Effizienzgewinn kaum stiegen.
Zusammenfassend kann man grob sagen, dass 2.000 Mrd. Dollar in den Ausbau der Energieförderung gehen und nur 1.400 Mrd. Dollar in den Umbau des Energiesystems.
Problem 2: Viel zu wenig Investitionen in die Effizienz des EnergieverbrauchsDie Investitionen in Verbrauchsverringerung betrugen nicht mehr als nur ein Zehntel aller Energieinvestitionen. Das ist unterirdisch, aber es passt natürlich zum herrschenden marktwirtschaftlichen Denken: raumgreifend, angebotserhöhend, neue Bedürfnisse anreizend, den Raubbau der Natur weiter treibend, grünes Wachstum propagierend.
In einer vernünftigen Wirtschaft würde man aufs Intensivste versuchen, Raubbau und Zerstörung zu verringern. Und zwar
Seit Jahren und Jahrzehnten werden technologisch-empirische Untersuchungen veröffentlicht, die zu dem Ergebnis kommen, dass durch technische Verbesserungen erhebliche Reduzierungen des Energiebedarfs und damit auch der Emissionen erreicht werden können. Beispiel: Mit Wärmedämmung an Gebäuden und weiteren Anlagen kann man den Energieverbrauch leicht halbieren, sogar ein Null-Energie-Haus erreichen. Beispiel: „Durch die Umsetzung von wirtschaftlichen [gemeint: rentablen] Energieeinsparmaßnahmen können etwa 40 % des Endenergiebedarfs der deutschen Industrie eingespart werden.“ (Hochschule Niederrhein 2025).
Statt ein Zehntel der gesamten Energieinvestitionen sollten Investitionen in eine höhere Effizienz des Energieverbrauchs besser neun Zehntel Anteil haben. Zumal eine steigende Effizienz zwangsläufig zu geringerem Importbedarf führt. Das belegt der IEA-Bericht eindeutig: Während die Effizienzinvestitionen nur ein Zehntel aller Investitionen ausmachen, steuern sie ein Drittel aller Einsparungen von Fossilenergie-Importen bei (in den importabhängigen Ländern); ein weiteres Drittel kommt vom Ausbau der Regenerativen (die ein Viertel der Gesamtinvestitionen ausmachen); der Rest von Elektrifizierung und Sonstigem.
Problem 3: Regenerativenausbau und die Erschöpfung unserer BodenschätzeIst es eine gute Nachricht, wenn, wie oben festgestellt, die Investitionen in Regenerative stark zunehmen? Viele Klimaschützer würden wohl meinen, ja, unbedingt.
Ich möchte hier sehr warnen vor der Euphorie eines grünen Kapitalismus, also der Vorstellung: Wenn wir alle fossilen Stoffe weitgehend ersetzen durch regenerative Materialien, durch Kreislaufwirtschaft, durch pflanzlich-nachwachsende Stoffe, dann können wir beruhigt weiter wachsen, weiter konsumieren, ist dann ja alles nachhaltig-regenerativ.
Unbeachtet bleibt bei solchen Strategien: Wenn ich Fossile durch Regenerative ersetze, dann verbrauche ich nicht keine Rohstoffe mehr, sondern ich verbrauche andere Rohstoffe. Die Nutzung von Sonne und Wind funktioniert nur mit einer riesigen Materialinvestition. So ist die Jahresstromerzeugung eines mittelgroßen Fossilkraftwerkes so hoch wie der Output von mehreren Quadratkilometern Photovoltaikfläche oder wie der Output von etwa 200 Standardwindanlagen. Parrique u.a. (2019, S. 36) schreiben, dass zur Erzeugung einer Einheit erneuerbarer Energie etwa zehnmal so viele Metalle benötigt werden wie zur Erzeugung einer Einheit fossiler Energie.
Das zwingt in einer vernünftigen Gesellschaft dazu, zunächst und prioritär den Energieverbrauch massiv zu minimieren, und dann diesen Restbedarf regenerativ bereit zu stellen.
„Eine durch erneuerbare Energie angetriebene Welt ist eine Welt, die hungrig nach kritischen Mineralien ist.“ (UN-Generalsekretär Guterres)
In meinem Buch „System Change oder Klimakollaps“ habe ich die Problematik einer solchen Wachstumseuphorie ausführlich diskutiert (S. 93 ff.). Daraus stammt die folgende Grafik.
Diese Grafik zeigt die Ausschöpfung der Reserven von einigen, für regenerative Energien und Elektrifizierung wichtigen Metallen. Reserven sind die bekannten Bodenschätze in der Welt, die mit heutiger Technik förderbar sind (hier inklusive der seit 1960 geförderten Bodenschätze). Ausschöpfung heißt: Wieviel Prozent dieser Bodenschatz-Reserven sind bisher schon gefördert bzw. werden in den kommenden Jahrzehnen bis 2060 noch gefördert? Die Daten beruhen auf großen Untersuchungen der IEA, der Weltbank, der OECD, des US Geological Survey und auf Angaben der einschlägigen Industrieverbände. Es geht um den Abbau von Bodenschätzen, also um die Primärmetallgewinnung, nicht um Umschmelz- oder Recyclingmetall.
Das Ergebnis ist desillusionierend, jedenfalls dann, wenn man über eine oder zwei Wahlperioden hinausdenkt. In wenigen Jahrzehnten schon könnten die zugänglichen und daher ausbeutbaren Reserven von einigen Metallen – Nickel, Kupfer, evtl. auch Kobalt und Lithium bei einer forcierten Elektrifizierung der Fossilwirtschaft – ausgeschöpft sein. Diese Metalle spielen für den Übergang eines fossilen Energieregimes in ein regeneratives eine sehr wichtige Rolle. Es wird deutlich: Platz wäre zwar genug in der Sahara für Sonnenkollektoren und Windanlagen, aber die Erde hat halt nicht genug Material, um die Wüsten zuzupflastern.
Dieser Befund ist in meinem Buch eingerahmt von der detaillierten Analyse der Rohstoffverbräuche in den letzten Jahrzehnten, insbesondere im Verhältnis zur Wirtschaftsentwicklung: Braucht man bei der jetzigen Deindustrialisierung und dem Übergang zur Dienstleistungsgesellschaft in einer Weltwirtschaft überhaupt noch neue Bodenschätze? Und ist denn nicht etwa zu erwarten, dass das Rohstoffproblem gar keines ist, weil laufend neue Rohstoffe gefunden werden?
„Unser unersättlicher Verbrauch von Ressourcen hat sich in den letzten 50 Jahren verdreifacht. Wenn wir uns nicht ändern, könnte er bis 2060 um weitere 60 % ansteigen. Unsere derzeitigen, in höchstem Maße nicht nachhaltigen Konsum- und Produktionssysteme werden katastrophale Auswirkungen auf die Erdsysteme und ökologischen Prozesse haben, die die Grundlage für das menschliche Wohlergehen und die Vielfalt des Lebens auf unserem Planeten bilden.“ (UN Environment Programme 2024)
Geologen vermuten (!) weitere Bodenschätze, die noch zu entdecken sind. Aber zum einen wird der Erzgehalt im Gestein sehr viel niedriger liegen, die Rohstofflager werden viel schlechter erreichbar sein (z.B. in der Tiefsee), der Abbau wird daher noch weitaus umweltbelastender sein. Und zum anderen sind auch die theoretisch möglichen Ressourcen so beschränkt, dass sich die Knappheiten in Grafik 2 nur um einige zusätzliche Jahrzehnte nach hinten verschieben.
Am unmittelbar einleuchtendsten ist das Rohstoffproblem beim Boden: Der ist nun wirklich nicht vermehrbar. Und hier stößt die Konkurrenz aus Nahrungsmittelerzeugung, aus Energiepflanzen (Biodiesel usw.) und industrieller Nutzung (von Baumwolle bis Chemikalienersatz aus Pflanzen) an die Grenzen des Bodenertrages, insbesondere, wo jetzt schon durch Erosion und Klimaänderung die Böden so sehr geschädigt werden, dass eigentlich die höchste Alarmstufe angezeigt sein müsste. Ein zuverlässiger Indikator für fortschreitende Knappheit ist, dass die Bodenpreise in allen Ländern rasant steigen.
Man mag vielleicht dennoch Zweifel haben an der rapiden Beschleunigung des künftigen Rohstoffabbaus, wie es in Grafik 2 indiziert ist – ist ja bisher doch immer gut gegangen. Daher soll mit Grafik 3 das Detail des Abbaus von Seltenen Erden in diesen Jahren näher beleuchtet werden.
Hier wird deutlich, dass der Abbau von Seltenen Erden bis vor einigen Jahren praktisch alleinig eine Sache von China war. Seit dem Run ab 2018 steigen auch die USA, Australien, Myanmar und weitere Länder in den Abbau ein. Die Beschleunigung ab 2018 ist enorm: Bis 2017 erhöhte sich der Abbau um jährlich knapp 3 %, seither verdreifachte er sich mit einem jährlichen Anstieg von 17 %.
Statt Ölkriege, nein, wahrscheinlich zusätzlich zu den Ölkriegen werden wir in diesem Jahrhundert auch Lithium- und Kupferkriege usw. erleben. So wie wir – angesichts des extremen konsum- und profitgetriebenen Raubbaus – die Klimazerstörung sehr wahrscheinlich nicht durch die Regenerativen verhindern können, sondern zusätzlich die Erschöpfung der nicht-energetischen Rohstoffe erleben werden. Ein doppeltes Desaster.
Problem 4: Militarismus, Imperialismus, BarbareiMilitär und Rüstung hängen eng mit den Energieinvestitionen, mit dem Energiebereich zusammen.
Aktuelle Nachricht: Trump will schon die ganze Zeit, wie er sagt, die iranische Ölverladeinsel Kharg einnehmen, denn „man könnte damit ein Vermögen verdienen“, wie er meinte. So wie jetzt schon venezolanisches Öl „in millionenfacher Barrel-Menge“ einfach in die USA verfrachtet wird. (Tagesspiegel, 11.6.2026). Ein sehr bezeichnendes Verständnis des Wortes „verdienen“, wenn damit schlicht Diebstahl und Raub verstanden wird. Simpelstes Raubrittertum, eine sehr primitive und brachiale Form des Imperialismus. Eine unmittelbare Zusammenballung von höchst aggressiver Staatsmacht und höchst gieriger Kapitalmacht.
Schauen wir auf die folgende Grafik 4. Hier ist die Summe der Energieinvestitionen seit 2016 (aus Grafik 1) zusammen geführt mit den Rüstungsausgaben nach dem schwedischen SIPRI-Institut. Diese bewegen sich in derselben gigantischen Größenordnung, und sie bewegen sich fast noch schneller nach oben.
Tausende Milliarden Dollar jedes Jahr fürs Militär, die in erster Linie Zerstörung bewirken (sollen): Zerstörung der lebenswerten Umwelt, Zerstörung jedes Gedanken an Entspannung und Abrüstung oder auch nur an Rüstungsbegrenzung, Zerstörung des gesellschaftlichen friedlichen Zusammenhalts und friedlicher Konsensfindung bei Interessensunterschieden, Zerstörung von Mensch und Gut im Krieg. Nur im besten Fall nutzlos vernichtete Arbeitskraft und nutzlos vernichtete Naturschätze ohne weitere Schäden.
„Mit Sozialleistungen und mit Bildung lässt sich dieses Land nicht verteidigen.“ (Verteidigungsminister Boris Pistorius, SPD).
Dagegen: „Der Zwang zum ewigen Wettrüsten verwüstet die Seele.“ (Papst Franziskus)
Ein wichtiges Wort des Papstes: Zu allen physischen Zerstörungen kommt noch die moralisch-psychische Verelendung und Verwüstung hinzu.
Die Anderen, die Autokraten, die sich nicht regelbasiert verhalten, d.h. die sich nicht nach unseren Regeln verhalten: die verwehren uns den Zugang zu den Rohstoffen (vom Öl bis zum Lithium), die ganz fraglos uns zustehen („Öl ist eine zu wichtige Ressource, um sie einfach den Arabern zu überlassen“, so Henry Kissinger; siehe auch die deutschen Verteidigungspolitischen Richtlinien, die den Anspruch auf Rohstoffe und auf Exportmöglichkeiten zu einer Angelegenheit der Bundeswehr machen). Um zu sichern, was uns zusteht, brauchen wir überlegenes Militär. Militär ist extrem rohstoff- und energieintensiv. Umso wichtiger ist es also, dass wir über noch mehr von den weltweiten Bodenschätzen verfügen, um das Militär zu befriedigen. Also brauchen wir auch noch mehr und noch stärkeres Militär.
Und zu viele finden diese Logik eingängig und selbstverständlich. Die wenigen anderen werden als „Lumpenpazifisten“ abgestempelt.
Die Krone der Abscheulichkeiten sind Terroraktionen wie das derzeitige Erdrosseln der kubanischen Gesellschaft, meines Erachtens ein perfide geplanter Völkermord am kubanischen Volk, falls es sich nicht bedingungslos US-amerikanischer Ausplünderei öffnet. Oder die völlige Wurschtigkeit angesichts Abertausender von auf der Flucht im Meer ertrunkener und noch ertrinkender Flüchtlinge – abscheulich, aber nach vielen Jahren normal und gewöhnlich. Absolut barbarische Politik!
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Quellen:
Alle Zitate und Angaben im obigen Text ohne Quellenangabe stammen aus:
Garnreiter Franz: System Change oder Klimakollaps. Über die Verantwortungslosigkeit kapitalistischer Gesellschaften, oekom-Verlag 2026, hier bei isw zu erhalten. https://www.isw-muenchen.de/broschueren/spezials/225-buch-04-2026
Garnreiter Franz: Ölknappheit als Folge des Irankrieges? Nein, aber gigantische Profitmacherei, 1.6.2026, https://www.isw-muenchen.de/online-publikationen/texte-artikel/5422-oelknappheit-als-folge-des-irankrieges-nein-aber-gigantische-profitmacherei
Garnreiter Franz: Hochrüstung oder Solidarische Hilfe für die Welt? Was der SPD heute wichtig ist, 8.5.2026, https://www.isw-muenchen.de/online-publikationen/texte-artikel/5419-hochruestung-oder-solidarische-hilfe-fuer-die-welt
Hochschule Niederrhein: Volkswirtschaftliche und betriebswirtschaftliche Bewertung der Energieeffizienz in der Industrie, September 2025, https://www.duh.de/fileadmin/user_upload/download/Projektinformation/Energieeffizienz/UmInM%C3%BCn01-Kurzstudie-2025-10-02.pdf
IEA, International Energy Agency: World Energy Investment 2026, https://www.iea.org/reports/world-energy-investment-2026?utm_campaign=IEA+newsletters&utm_medium=Email&utm_source=SendGrid
IMF, International Monetary Funds: World Economic Outlook, Global Economy in the Shadow of War, April 2026, https://www.imf.org/en/publications/weo/issues/2026/04/14/world-economic-outlook-april-2026
myzitate: Zitate und Sprüche von Henry Kissinger, https://www.myzitate.de/henry-kissinger/
Parrique Timothee u.a.: Decoupling debunked: Evidence and arguments against green growth as a sole strategy for sustainability. European Environmental Bureau, July 2019, https://eeb.org/library/decoupling-debunked/
SIPRI: Military Expenditure Database, https://www.sipri.org/databases/milex
Tagesschau: Forbes zählt so viele Milliardäre wie noch nie, 11.3.2026, https://www.tagesschau.de/wirtschaft/finanzen/milliardaere-forbes-musk-trump-ki-100.html
Tagesspiegel: „Man könnte damit ein Vermögen verdienen“, 11.6.2026, 19:39, https://www.tagesspiegel.de/internationales/liveblog/man-konnte-damit-ein-vermogen-verdienen-trump-droht-mit-vollstandiger-kontrolle-uber-irans-ol-10586281.html?bezuggrd=NWL&utm_referrer=newsletter&utm_source=abendlage&werbtraeg=AL
Weltbank: Datenbank, https://data.worldbank.org/indicator?tab=all
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In Teil 3 dieses Gesprächs diskutieren Yanis Varoufakis und Prof. Richard D. Wolff die dunkleren Zusammenhänge zwischen Imperium, Krieg, Big Tech und Kapitalismus. Ausgehend von Israel, Gaza und dem Niedergang westlicher Macht stellen sie die Frage, ob moderne Kriege nicht nur geopolitische Ziele verfolgen, sondern auch als Testfelder für neue Technologien, künstliche Intelligenz und Profitmodelle […]
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In dieser Folge von Die Quelle spricht unser leitender Redakteur Zain Raza mit Lawrence Wilkerson, ehemaliger Oberst der US-Armee, über die jüngste Eskalation zwischen den USA und dem Iran und die zentrale Frage, die nun über der gesamten Region schwebt: Handelt es sich noch um einen begrenzten Schlagabtausch oder bereits um den Beginn eines viel […]
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