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Eismeer statt Wüstensand
ohb: gerne mehr für die bundeswehr
heute fand in bremen die hauptversammlung der ohb ag statt, einem erfolgreich familiengeführten luft- und vor allem raumfahrtunternehmen, unter dessen dach sich eine vielzahl von tochtergesellschaften versammelt hat.
die ohb ag unterscheidet sich in vielerlei hinsicht von anderen aktiengesellschaften, sie ist keine ag wie jede andere. der umgangston ist offen und fair, keine floskeln oder vorgespielte höflichkeiten. ich möchte das ausdrücklich betonen und auf meine einleitenden bemerkungen zur ohb-hauptversammlung vom letzten jahr verweisen.
aber ist der umgang auch noch so ehrlich und unkompliziert: ohb ist mit seinen produkten und dienstleistungen tief im geschäft mit militärs und rüstungsindustrie verstrickt. “wir bauen keine waffen” meinte der vorstandsvorsitzende marco fuchs noch im letzten jahr, was ich anders bewerte, machte aber zugleich auch in diesem jahr keinen hehl daraus, gerne und auch gerne mehr für die bundeswehr arbeiten zu wollen. ich denke: anders kann ein führendes vorzeigeunternehmen in produktion und vermarktung von satelliten vermutlich gar nicht überleben.
zu allem weiteren hier die heute gestellten fragen mitsamt der antworten zur bildung eines eigenen eindrucks:
1.) Wie groß ist der Anteil des OHB-Umsatzes 2012 von Geschäften mit Militär und wie groß der mit Unternehmen oder Produkten, die OHB – so gut eine faire Zuordnung eben möglich ist – mit der Rüstungsindustrie bzw. mit Rüstungsprodukten in diesem Jahr erzielt hat?
2012: ca. 19 Mio. € direkter Umsatz mit dem Militär (entspricht ca. 3,1%). Davon 9 Mio. € bei OHB Systems AG Bremen, 2 Mio. € über Kayser-Threde und 7,5 Mio. € mit Aerotech Peissenberg. [Nicht berücksichtigt sein dürften die anteiligen Geschäfte z.B. mit Ariane, Gallileo, Heinrich-Hertz, DLR usw.]
2.) Wie steht es um das Athene-Projekt? Gibt es zu dem für die Bundeswehr entwickelten Raketenfrühwarn- und Weltraum-Überwachungssystem Aussicht auf ein Angebotsverfahren oder gar einen Auftrag?
Es gibt aktuell keine Planung, nicht konkretes dazu, nur die abgeschlossene Studie.
3.) Welchen Hintergrund hat das unvermittelt Ausscheiden des Vorstandsmitglieds Herrn Wolfgang Konrad aus der MT Aerospace vom Oktober 2012?
Herr Konrad wollte aus eigenem Antrieb wechseln, es gab keine Abfindung.
4.) Aerotech Peissenberg als Teil von MT Aerospace, welches wiederrum zu 70% der OHB gehört, fertigt Turbinen- und Triebwerksteile auch für Rüstungs- und Kriegsgüter. Welche militärischen Flugzeuge oder Helikopter werden mit Teilen von Aerotech Peissenberg ausgerüstet?
Airbus-Militrtransporter A400M, Super Hornet F18. Mit dem laufenden Betrieb der Bundeswehr-SAR-Lupen macht OHB einen Umsatz im einstelligen Millionen-Euro-Bereich.
5.) Wie stellt sich die Geschäftsentwicklung der zuletzt erworbenen OHB Sweden AB dar? Wie sieht die Entwicklung dieses Unternehmens hinsichtlich des Umsatzes und der Produktpalette aus?
Es gibt eine gute Entwicklung. Im letzten Jahr wurde ein großer Auftrag für das Antriebssystems eines Orbiters gewonnen. OHB Sweden zieht zum Ende des Jahres um, das ist eine „Expertenbude“, bislang eine schwarze Null in der Bilanz.
Der Bundeswehr-Satellit “Heinrich-Hertz” von OHB gebaut
6.) In welchem Sachumfang und zu welchen Zwecken wird der von OHB für ca. 11 Millionen Euro herzustellende Satellit „Heinrich Hertz“ für die Kommunikation von Polizeien, Geheimdiensten oder Bundeswehr benutzt werden? Im Geschäftsbericht ist immerhin von einer integrierten „Bundeswehr-Nutzlast“ die Rede.
DLR und das Bundesverteidigungsministerium betreiben/organisieren diesen Satelliten. Der soll zum einen die Raumfahrtfähigkeiten der deutschen Industrie erproben und beweisen und zudem der Bundeswehr ein nationales Kommunikationswerkzeug sein, diese belegt ca. 50% der Datenbandbreite.
7.) Werden auch nicht-deutsche Behörden Zugang zu den Fähigkeiten des Heinrich Hertz Satelliten erhalten?
Das ist der OHB nicht bekannt, der Satellit soll „rein deutsch“ genutzt werden. Es ist aber theoretisch nicht auszuschließen, dass die Fähigkeiten im „Einsatzfall“ auch Bündnispartnern angeboten oder von diesen genutzt werden.
“Maritime Sicherheitstechnik” zur Flüchtlingsabwehr – EMSA
8.) Lux Space hat einen Rahmenvertrag mit der European Maritime Safety Agency (EMSA) in Höhe von einer halben Million Euro (pro Jahr) abschließen können. Es geht um die Nutzung und den Betrieb von VesselSat1 und VesselSat2. In welchem Umfang werden diese Arbeiten auch die so genannte „Flüchtlingsabwehr“, wie z.B. in Zusammenarbeit mit FRONTEX beinhalten oder kann eine Unterstützung solcher Aufgaben eventuell ganz ausgeschlossen werden?
Lux Space (eine 100%ige Tochter von OHB) liefert Positionsdaten von Schiffen, es ist gut vorstellbar, aber nicht bekannt, dass die Arbeiten auch für FRONTEX genutzt werden. Exakte Details sind aber vertraulich.
9.) Werden oder wurden die Telematikendgeräte auch im Zusammenhang der MAN-Kooperation für Militär-LKW’s eingesetzt?
Die Kooperation mit MAN läuft Ende 2013 aus. Es wurden aber (in 2006?) 6.000 Telematikeinheiten an das britische Militär, weitere 1.000 Stück an das niederländische Militär verkauft.
10.) Was können Sie Genaueres zu dem im Geschäftsbericht erwähnten Neuentwicklungen im Bereich Li-Ionen-Batteriemanagment für Militär-U-Boote sagen? Wer ist der Auftragnehmer in diesen Zusammenhängen? Es ist ja von einer „vielversprechenden Geschäftsperspektive“ die Rede… lässt sich das ein wenig konkretisieren?
Es gibt eine interessante Neuentwicklung auf diesem Sektor für HDW [den Hersteller der weltweit modernsten Militär-U-Boote, die u.a. an Griechenland und Israel geliefert wurden]. Bosch ist als Entwicklungspartner aus dem Projekt ausgestiegen, wie der derzeit andauernden Gespräche ausgehen, kann nicht vorhergesagt werden.
11.) Was genau ist die OHB Marine Technologies GmbH? Was stellt sie her, was ist ihr Schwerpunkt?
Im Rahmen dieser Firmierung gibt es gute Kontakte in den Nahen Osten, genauer gesagt nach Kuwait. Zusammen mit Bremem Ports organisiert man dort die Ausbildung im Zusammenhang mit dem Neubau eines großen Umschlaghafens.
12.) Worum handelt es sich bei der beos GmbH aus Bremen, an der OHB einen überschaubaren 12%-Anteil besitzt?
Ein Joint Venture (EADS 80%, ZARM 8%, OHB 12%), Ende der 90er Jahre gegründet, derzeit eher im Leerlauf. Betreut das Texxus-Forschungsraketen-Projekt zu Experimenten im Mikrogravitationsbereich.
Modell der OHB-Condor-Drohne
13.) Gibt es Überlegungen oder Erwägungen, das ehemalige OHB-Condor-Drohnen-Projekt als Träger für die im Eurohawk nun nicht mehr eingesetzte SIGINT-Technik anzubieten oder einen solche Einsatzmöglichkeit zu überprüfen?
Das Condor-System kann nur eine Nutzlast von ca. 80 kg aufnehmen und dürfte damit zu klein sein. Es gibt keine Gespräche oder Überlegungen. Die Bundeswehr sei derzeit auf die us-amerikanischen Anbieter fixiert.
Italienischer OPSIS-Militärsatellit von OHB für “hochauflösende Erdbeobachtung”
14.) Besitzt die italienische Satellitenmission OPSIS auch militärische oder polizeiliche Anteile oder Komponenten? Bei OPSIS soll es laut Geschäftsbericht um „hochauflösende Erdbeobachtung“ gehen.
Ja, sogar fast ausschließlich nur für diesen Zweck, vergleichbar mit dem deutschen Heinrich-Hertz-Satelliten.
1:1-Modell einer SAR-Lupe, einem hochauflösenden Radar-Aufklärungssatelliten der Bundeswehr
15.) Welche anderen Unternehmen konkurrieren im Wettbewerb um den SAR-Lupen-Nachfolger SARah und wie weit sind die Verhandlungen aktuell gediegen?
[Hierzu gab es vermutlich aufgrund der Vielzahl meiner Fragen keine Antwort, vermutlich ist nur EADS Astrium ebenfalls Anbieter bzw. in der Verhandlungsphase.]
16.) Welche Änderungen hinsichtlich Anforderungen und technischen Leistungen werden an SARah im Vergleich zu den SAR-Lupen vorgenommen bzw. gestellt?
Die Anforderungen wurden selbstverständlich erhöhte – genauere Angaben können aus Geheimhaltungsgründen nicht gemacht werden.
17.) Gibt es Überlegungen, Anstrengungen oder gar schon Aufträge derart, die auch durch die SAR-Lupe gesammelten Erfahrungen mit Radaraufklärungstechnik in anderen Zusammenhängen, sei es nun im Satellitenbereich oder auch darüber hinaus, wettbewerblich zu nutzen? Die RST Radar Systemtechnik GmbH aus Salem, an denen OHB einen 24%-Anteil besitzt, wirbt immerhin z.B. mit dem Einsatz in Fluggeräten. Gibt es also z.B. Einsätze oder Einsatzszenarien von OHB-Radartechnik in Drohnen?
Es wurden keine weiteren Satelliten ähnlich der SAR-Lupe verkauft. [Da wurde die Frage leider ein wenig falsch verstanden.]
18.) OHB möchte seine SmallGEO-Plattform zur Fertigung von Satelliten für das European Data Relay System (EDRS) bereitstellen. Das alles in Zusammenarbeit mit Astrium. (!) Inwiefern ist EDRS zum militärischen Einsatz, z.B. als Datenrelais-System für militärischen Einsatz (z.B. für den Einsatz von Drohnen oder auch andere Zwecke) vorgesehen?
Es gibt kein militärischen Zwecke. Allerdings dient EDRS u.a. „zivilen Zwecken“, siehe nächste Antwort. [EDRS-C ist ein mittels Laser realisierter Datalink.]
So stellt sich OHB die Satellitenkommunikation vor – ein Modell im Ausstellungsraum
19.) War oder ist OHB in irgendeiner Weise am Aufbau oder Betrieb des EU-Satelliten-Aufklärungs-Systems Copernicus (hieß früher: GMES – Global Monitoring for Enviromental and Security) beteiligt?
Das EU-System namens Copernicus/GMES ist ein Verbund von Überwachungssatelliten („Sentinels“), deren Datenströme mit Hilfe des EDRS (siehe vorherige Frage) gemanaged werden. Zwar geht es um „zivile Sicherheit“, aber es ist gut denkbar, dass deren Daten auch anderen EU-Behörden (z.B. FRONTEX) zur Verfügung gestellt wird. OHB betreibt Studien zu Sentinel-5 und bewirbt sich als Junior-Partner für die Sentinel-4-Satelliten (bzw. Kayer-Threde als OHB-Tochter).
20.) In welchem Umfang und in welchen Zusammenhängen vertreibt die OHB ihre ARDS-Datalink-Technik oder verwandte Produkte für den Einsatz in militärischen Zusammenhängen? In den Zeitungen war schließlich zu lesen, dass es mindestens mehrjährige Forschungensvorhaben von OHB zusammen mit der Uni Bremen gegeben hat.
Der ARDS-Datenlink ist ein Datenübertragungssystem im S-Band.
21.) An wie vielen Forschungsprojekten zur Datenübermittlung im voll- oder halbmilitärischen Kontext war oder ist OHB beteiligt, in wie viele davon war oder ist die Uni Bremen involviert?
Es gab einen Studienauftrag mit der Uni Bremen, in dem es um das Verständnis von und der Optimierung des OFDM-Übertragungsprinzips ging.
weitere interessante informationen, entweder aus dem geschäftsbericht 2012 oder aus der heutigen präsentation entnommen:
- ohb steigt in das geschäft mit container-tracking ein. ein auftrag der deutschen telekom über 5.000 stück liegt vor, die datenübertragung erfolgt sowohl über gsm als auch über das iridium-satelliten-system, derzeit lassen z.b. nestle und baccardi lebensmitteltransporter tracken, im produkt enthalten ist zugleich eine sensorik zum erkennen von einbrüchen oder diebstählen.
- ohb baut für lkw-einsätze spezialisierte navigationssysteme für volvo.
- ohb hat seine expertise für ein li-ion-batteriemanagement ausgebaut, setzt diese sowohl für die thyssen-krupp- bzw. hdw-brennstoffzellen-u-boote wie auch für hochwertige elektro-gabelstapler-lösungen ein. besonderheiten sind nicht brennbare ausführungen von li-ion-akkus sowie extrem schnelle ladezeiten (z.b. eine 5kwh-batterie innerhalb von 15 minuten!)
- ohb betreibt über die ertragsreiche tochterfirma kayser-threde in münchen stations- und prozess-leittechnik für die deutsche bahn, insbesondere hinsichtlich der lastgeregelten zu- und abschaltung der in deutschland über 250 zuschaltpunkte für die 15kv-oberleitung der deutschen bahn ag.
- die umstrittene ohb-stiftungsprofessur an der uni bremen (zu 50% von ohb, zu 50% von der dlr) wird unter anderem so begründet: “wir wollen eine enge beziehung zur uni bremen haben.” es geht u.a. um die anwerbung möglichst vieler und potenter abgänger der dort ausgebildeten naturwissenschaftler.
bilder: eigene bilder aus der ohb-ausstellungshalle und vom ohb-geschäftsbericht 2012, die bilder (nicht der geschäftsbericht!) unter cc-by-sa
May 18- In Gedenken an die Opfer des Mai 2009
Türkei: 24 Maoistische Guerilla Vor Gericht
vier aufeinander folgenden Tagen dem Richter vorgeführt.
Modernisierte Panzer kann man ja nie genug haben
Überflüssige stören JHV der Deutschen Bank
Im Rebellengebiet (IV)
Farbangriff auf die Congress Union Celle
Transpi-Aktion an der Celler Stadtkirche
Libya receives 30 French patrol boats, expects 25 more from South Korea
Written by Oscar Nkala/defenceWeb
The Libyan Navy has taken delivery of 30 new semi-rigid-hulled inflatable fast patrol boats from French military boat maker Sillinger, the first batch of 50 ordered in January this year.
According to the Libya Herald, the Libyan Special Naval Forces showcased seven of the new boats during a high-speed display at the naval harbour in Tripoli on Monday.
Naval Special Forces spokesman Colonel Ayoub Qassem said the high-powered boats, which range between 3.5 metres and 12 metres in length, will be used for the navy’s maritime border patrols.
He said they will be deployed to various naval bases including one at the port of Ras Ijdar in the west and Al-Burdi in the restive east where they will also be used on coastguard duties, protecting vital installations as well as monitoring illegal sea-borne intrusions and landings within the country’s territorial waters.
The order for the 50 rigid-hulled inflatable boats (RHIBS) includes the 1200 RIB UM Inboard, designed for the high seas. Libya is the second customer for this new model.
The 1200 RIB UM is one of the largest and most advanced of Sillinger’s military offerings and is able to carry up to 25 people. Weapons options include a 7.62 or 5.56 mm gun on each side and a 12.7 mm machinegun on the front. Armour can be retrofitted to the sides of the boat. According to information from Sillinger, the 1200 RIB carries radar and infra-red cameras which make it easier for the boat to navigate rough seas in all types of weather. Powered by two 370 horsepower engines, the 1200 RIB UM Inboard weighs 3 900 kg.
Sillinger boats are widely used by French Navy commandos and the French Customs, particularly the 580 RIB UM, a boat designed for open sea surveillance or insertion operations.
Qassem said the Libyan Navy, which is still struggling to rebuild its capacities following the revolution which ousted Muammar Gaddafi in October 2011, is shortly expecting delivery of 25 patrol boats from South Korea. He said that Libya’s navy received Dutch-made patrol craft earlier in the year.
Meanwhile, Libya recently ordered two Raidco Marine RPB 20 boats, which will be delivered to the Navy on April 26. As part of the deal, Raidco is training 32 Libyan sailors (including four officers) as well as maintenance and other personnel in Lorient, France. They will remain in France for a month before sailing for Libya.
The RPB 20 series is 20 metres long, has a top speed of 28 knots (thanks to its double-chine deep-V hull) and can launch a small boat.
Source: http://www.defenceweb.co.za/index.php?option=com_content&view=article&id=30568%3alibya-receives-30-french-patrol-boats-expects-25-more-from-south-korea&catid=51%3aSea&Itemid=106
Especuladores No 38 / Abril 2013
War Profiteers' News
International Day of Action For Military-Free Education and Research
Friday 14 June 2013 will be an International Day of Action For Military-Free Education and Research.
Acción Contra el Gasto Militar en Bogotá Colombia
Mensaje de ACOOC en Bogotá Colombia...
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Porque nunca hemos podido decidir
sobre nuestros impuestos, porque no queremos
Das Ende künstlicher Grenzen
Ozgur Heval Cinar on the situation for conscientious objectors in Turkey
Author Ozgur Heval Cinar on the situation for conscientious objectors in Turkey, as part of the panel as part of the COnscription exhibition on International Conscientious Objectors Day: http://www.filmpro.net/conscription-panel-discussion
Ozgur will also be speaking on the militarisation of youth in Turkey at our upcoming booklaunch: http://wri-irg.org/booklaunch
Derek Brett on conscientious objection and human rights law
IFOR representiative Derek Brett gives an introduction to the status of conscientious objection in human rights law.
Russland enttarnt weiteren CIA-Agenten
GRENZERFAHRUNGEN - Zivilgesellschaft & Kultur im Grenzraum USA/Mexiko
Über die mexikanische Grenzstadt Ciudad Juárez wurde in den Medien in den vergangenen Jahren häufig berichtet. Die Gewalteskalation im Kontext des sogenannten "Drogenkriegs" stand dabei im Vordergrund. Andere Facetten der Stadt sowie das Engagement vieler Menschen für Frieden und Gerechtigkeit wurden dabei kaum thematisiert. Nur wenige Meter entfernt von Ciudad Juárez, auf der anderen Seite des Rio Grande, liegt die US-amerikanische Stadt El Paso, die bis 1848 zu Mexiko gehörte. Das Stadtbild der texanischen Grenzstadt ist vor allem durch die hispanische Bevölkerungsmehrheit geprägt. In den letzten Jahren erlebte das traditionell arme El Paso einen wirtschaftlichen Aufschwung, nicht zuletzt aufgrund des massiven Zuzugs aus Mexiko angesichts der dortigen Gewaltsituation. Ein weiterer Wirtschaftsfaktor ist die US-Armee, die die Militärbasis Fort Bliss aktuell zum größten Truppenstandort der USA ausbaut.
Diese Zwillingsstädte und die Menschen vor Ort möchten wir durch die Reise näher kennenlernen. Denn trotz der streng kontrollierten US-amerikanischen Südgrenze und der restriktiven Migrationspolitik der USA ist die Grenzregion El Paso/Ciudad Juárez ein Raum der Begegnung und des Austauschs sowie Heimat vieler interkultureller und binationaler
Die historische Entwicklung von Ciudad Juárez steht in Zusammenhang mit der Alkoholprohibition in den USA. Über Jahrzehnte war die Stadt mit ihren unzähligen Bars, Diskotheken und Bordellen ein beliebtes Ziel für Tourist_innen und Militärangehörige aus den USA. In diesem Umfeld konnte sich auch eine attraktive schwul/ lesbisch/ transsexuelle Szene entwickeln. Besonders seit den 70er Jahren siedelten sich u.a. US-amerikanische Billiglohn-fabriken auf der mexikanischen Seite an und Ciudad Juárez war lange trotz prekärer Arbeits- und Lebensbediungungen Anlaufpunkt für Migrant_innen aus ganz Mexiko.
Die Stadtplanung vorbei an den Interessen der Bevölkerungsmehrheit sowie Korruption und fehlende Strafverfolgung trugen dazu bei, dass Kriminalität und organisiertes Verbrechen zunehmend an Einfluss gewannen. Seit den 90er Jahren gelangte Ciudad Juárez auf Grund des Phänomens der systematischen Ermordung von Frauen zu trauriger Berühmtheit.
Die Regierungsstrategie, die Stadt zwischen 2008 und 2011 zu militarisieren, führte zu noch mehr Gewalt, einem horrenden Anstieg von Menschenrechtsverletzungen und einer weiteren Verschlechterung der Lebensbedingungen. Die entstandenen Protestbewegungen, angeführt von Müttern und Frauen, führten jedoch zu einer Stärkung und Professionalisierung der Zivilgesellschaft in Ciudad Juárez. Doch die heutige Friedensbewegung hat mit Repression und Übergriffen zu kämpfen und besonders Angehörige marginalisierter Bevölkerungsschichten geraten zwischen die Fronten des sogenannten "Drogenkrieges".
Zehntausende Menschen haben Ciudad Juárez in den vergangenen fünf Jahren verlassen. Viele davon sind auf die US-amerikanische Seite des Rio Grande gezogen und haben dort ein "Little Juárez" im Exil aufgebaut. Denn die texanische Zwillingsstadt El Paso gilt weiterhin als eine der sichersten Städte der USA. Viele andere Menschen konnten es sich hingegen nicht leisten wegzuziehen oder haben sich bewusst dagegen entschieden. Vielseitige Initiativen der Zivilgesellschaft und alternativer Medien auf beiden Seiten der Grenze setzen der Normalisierung von Gewalt aktiv eine Kultur des Friedens entgegen. Diesen Menschen wollen wir begegnen.
Wir werden uns damit beschäftigen, welche Auswirkungen einseitige Stadtentwicklung und Gewalteskalation auf den Alltag der Menschen haben. Wenn auch die Gewaltrate in Ciudad Juárez stark zurückgegangen ist, lassen die extremen Erfahrungen Spuren zurück. Die mehreren tausend Toten der vergangenen Jahre reißen bleibende Lücken in ihre Familien und ihr soziales Umfeld.
Wie kann eine Aufarbeitung und ein gesellschaftlicher Umgang mit der Gewalterfahrung gefunden werden? Wie kann es sein, dass illegale Drogen und ihre Händler die Grenze überschreiten, dass aber nur die mexikanische Seite von Gewalt geprägt ist, während El Paso eine der Städte mit der niedrigsten Gewaltrate in den USA ist? Wie kommt es, dass das Zentrum der texanischen Stadt trotzdem menschenleer ist, während in der mexikanischen Schwesterstadt selbst zu Hochphasen der Gewalt das öffentliche Leben nie vollkommen aussetzte?
Wie gehen die Menschen vor Ort im Alltag mit den Problemlagen um, welche Strategien haben sie entwickelt? Woher nehmen sie die Kraft, sich zivilgesellschaftlich zu engagieren? Welche Träume und Hoffnungen haben Jugendliche in der Region? Wie ist die Situation von Migrant_innen auf beiden Seiten der Grenze? Wie sieht die schwul/ lesbisch/ transsexuelle Szene in Ciudad Juárez und El Paso aus? Welche Lebensrealität hat die indigene Bevölkerung der Grenzregion? Wo steht die Bewegung gegen Frauenmorde?
Ziel der Reise ist es, sich mit der von Globalisierung, Grenzregime und Drogenkrieg geprägten komplexen Realität des Grenzraums auseinanderzusetzen. Der Bezug zu Deutschland stellt sich u.a. durch deutsche Firmen, die in Ciudad Juárez von den niedrigen Produktionskosten profitieren und durch das deutsche Truppenkontingent der Bundeswehr, das in der Militärbasis von El Paso stationiert ist. Basis unserer Reise ist El Paso/Texas. Besuche und Rundgänge sind während des Aufenthalts auch auf mexikanischer Seite geplant. Je nach Interesse der Teilnehmer_innen werden wir inhaltliche Schwerpunkte unserer Reise und Auszeiten zur Erholung und individuellen Gestaltung gemeinsam festlegen.
GRENZERFAHRUNGEN - Zivilgesellschaft & Kultur im Grenzraum USA/Mexiko, IAK-Reise, ca. 14.09.-05.10.2013, El Paso, USA - mit Exkursionen nach Ciudad Juárez, Mexiko, Preis: ca. 1.500-1.600 Euro (inkl. Flug, Unterkunft, Transport, Vorbereitung); Das Vorbereitungsseminar findet vom 14.-16.6. statt (in Bonn oder Berlin). Fragen & Kontakt: usa@iak-net.de
Leitung: Dagmar Seybold & Kathrin Zeiske; Dagmar Seybold lebte mehrere Jahre in Mexiko und arbeitete im Menschenrechtsbereich. Für CAREA e.V. organisiert sie Menschenrechts-beobachtung in Chiapas/Mexiko. Sie war seit 2006 mehrfach in Ciudad Juárez und El Paso und forschte zu Frauenmorden, Militarisierung und Medien; Kathrin Zeiske lebt und arbeitet zwischen Deutschland und Mexiko, wo sie einige Jahre für eine Migrant_innenherberge tätig war. Heute schreibt sie als Freie Journalistin über soziale Bewegungen, Drogenkriege und globale Prozesse in Lateinamerika. http://grenzueberschreitend.blogspot.com/
Conscription and conscientious objection in Europe
WRI Right to Refuse to Kill programme worker Hannah Brock talking about conscription and conscientious objection in Europe, as part of the panel as part of the COnscription exhibition on International Conscientious Objectors Day: http://www.filmpro.net/conscription-panel-discussion
NB. In the video it says that conscription ended in Britain in 1960 - this was misspoken - National Service in Britain ended in 1960, not conscription.
Joe Glenton: why I refused to fight in Afghanistan
Conscientious Objector Joe Glenton and author of Soldier Box, speaking on why he refused to serve in Afghanistan: http://joeglenton.com/
As part of the panel as part of the COnscription exhibition on International Conscientious Objectors Day: http://www.filmpro.net/conscription-panel-discussion











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