SIKO Gegenaktionen München

Meldungen (Feeds)

Die unheilige Allianz Saudi-Arabien und Israel

Rationalgalerie - Lun, 11/06/2018 - 02:00
Zum US-Ausstieg aus dem Atom-Abkommen mit dem Iran : Der US-Ausstieg aus dem Atom-Abkommen mit dem Iran wird in Saudi-Arabien und Israel begrüßt. Damit entsteht eine unheilige Allianz. Ziel: ein von außen forcierter Regimewechsel im Iran. Folgen: Stärkung des iranischen Regimes und die Gefahr eines Flächenbrands – mit unübersehbaren...

Gündogan vom Platz - der Schmock des Monats

Rationalgalerie - Lun, 11/06/2018 - 02:00
Erdogan vor ein Menschen-Recht-Gericht : Fußball-Fans gelten nicht als politisch sehr sensibel. Meist denken sie: Unsere Mannschaft ist gut, also gehen wir mit ihr durch dick und dünn. Erst recht wenn mal wieder Fußball-Weltmeisterschaft ist. Aber manchmal haben selbst die treuesten Fans die Faxen dicke:...

Peace & Planet endorses Call for actions against NATO 2018

No to NATO - Dom, 10/06/2018 - 20:12
This is just a quick note to let you know that the initial response to my polling post was overwhelmingly in favor of Peace & Planet endorsing the No to NATO/No to War counter-NATO protests and conference next month. Please list us as an endorser. … Continue reading →

Political and financial support by GUE/NGL and EL

No to NATO - Dom, 10/06/2018 - 20:05
with political and financial support of and … Continue reading →

Kein Grund zum Feiern - „Tag der Bundeswehr“ in Wunstorf Eröffnungsrede gestört: Sechs Platzverweise und Hausverbote

Indymedia antimil - Sáb, 09/06/2018 - 23:34
von: anonym am: 09.06.2018 - 23:34

Am Samstag, den 9.6., sind Zehntausende Besucher_innen zum Fliegerhorst gekommen, um den „Tag der Bundeswehr“ zu feiern. Wir waren auch da.

[Ma] Bericht: Aktionen gegen den Tag der Bundeswehr in Mannheim

Indymedia antimil - Sáb, 09/06/2018 - 21:38
von: OTKM Stuttgart am: 09.06.2018 - 21:38

Am 09. Juni fand an 16 Standorten in Deutschland der Tag der Bundeswehr statt. Beim Tag der Bundeswehr handelt es sich um eine Propaganda Veranstaltung des deutschen Militärapparats. Hierbei geht es der Bundeswehr darum, sich als familienfreundlich zu geben, die Bevölkerung von ihren Kriegen zu überzeugen und junge Menschen zu rekrutieren. Die Militarisierung soll also weiter in die Gesellschaft getragen werden.

 

B: Adbustings rund um den Reichstag zum Tag der Bundeswehr

Indymedia antimil - Sáb, 09/06/2018 - 00:02
von: Kommunikationsguerilla-Kampfgruppe-"Bundeswehr enttarnen" am: 09.06.2018 - 00:02

Wer heute am Tag der Bundeswehr in Berlin zwischen Reichstag und Kanzler*innenamt entlang flaniert, erlebt eine Überraschung. Blickt man in die Werbevitrinen, könnte man meinen, die Bundeswehr hätte eine neue Werbekampagne aufgelegt. In einer Mischung aus den Designs der “Mach-was-zählt”-Kampagne und der Werbung für den heutigen Tag der Bundeswehr sprechen die dort hängenden Plakate scheinbar aus der Position der Militärs die Passant*innen an. Doch auf den zweiten Blick erschließt sich, dass es sich um subversive Fälschungen des Kollektivs „Bundeswehr enttarnen“ handelt.

Verschärfung der Polizeigesetze

IMI Tübingen - Vie, 08/06/2018 - 17:11
Während das neue bereits in Kraft getretene Polizeiaufgabengesetz in Bayern medial sehr hohe Wellen schlug und Zehntausende gegen das Gesetz auf die Straße gingen, bleibt weitgehend unbeachtet, dass zahlreiche weitere Bundesländer ihre Polizeigesetze ebenfalls verschärft haben oder dies in naher (…)

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Nach Syrien

Indymedia antimil - Vie, 08/06/2018 - 17:04
von: einer Anarchisti am: 08.06.2018 - 17:04

Syrien ist nicht weit weg. Kurdische Menschen leben hier. Deutsche Bank, Commerzbank und andere finanzieren die Waffenfirmen, wie Rheinmetall, die mit Einverständnis der deutschen Regierung, die Waffen für den Genozid liefern und Geld damit verdienen, machen das Morden erst möglich.Der Krieg beginnt hier, wir sollten ihn hier beenden. Dass sich die deutsche Regierung von Erdogan erpressen lässt, ist nicht der einzige Grund, weshalb sie schweigt.

Die antifaschistische Revolution von Rojava hat inzwischen so viele Wellen geschlagen, dass der rassistische Kapitalismus, wie ihn dieses Land hier betreibt, gefährdet werden könnte. Es geht dabei nicht um die PKK und das, was ihr nachgesagt wird. Abschaffung des Patriarchats, Freiheit, Überwindung vom Glauben, (National-) Staaten als einzig funktionierende Organisationsform großer Gemeinschaften und die Ziele Rojavas. Wie könnten Staaten dies nicht als Gefahr ansehen? So tief verankert war bisher die Überzeugung, der Mensch müsste beherrscht werden; sei es durch Diktatur oder sogenannte Demokratie. Was für eine Demokratie ist es, bei der die einzige Wahl der Neoliberalismus ist und Menschen, die unter den kapitalistischen Gesetzen am meisten leiden, z. B. Erlaubnis zu Umweltzerstörung, Waffenhandel, Ausbeutung von Mensch und Tier, nicht mitentscheiden dürfen? Die Menschen auf den Fidschis, deren Inseln versinken, wurden nie gefragt, ob sie erlauben, dass Deutschland zur größten CO²-Produzentin Europas wird. Dennoch darf nach gewählter NRW-Regierung RWE weitermachen. 

Ich ziehe in den Krieg aus 3 Gründen. Ich hoffe, möglichst viele Menschen aus beschossenen und bebombten Gebieten herausholen zu können, sodass sie weiterleben. Ich hoffe, Erdogan zurückdrängen zu können und ich hoffe, dass die Tatsache, dass Menschen von hier, dort hingehen zu der Erkenntnis führt, dass die Revolution von Rojava uns alle angeht.                                                                                                                                                                                                                                                                 Antifaschistisch, Antikapitalistisch, Antisexistisch, herrschaftsfrei. Das sind Ziele für eine Gesellschaft, die nur erreicht werden können, wenn Menschen auch hier endlich aufstehen, kämpfen und Alternativen aufbauen.                                                                                                                                                                                                  Meine Chance, lebend wiederzukommen, ist schwindend gering. Doch wenn ich wenigstens ein wenig der 3 Ziele dadurch erreichen konnte, werde ich hoffnungsvoll die Augen schließen können.

Eine Anarchisti                                                                                                                                                                                                                                                              für                                                                                                                                                                                                                                                                           HAMBI BLEIBT, ZAD PARTOUT, Stand with Standing Rock, R94, Pacific Climate Warriors, und allen anderen, die sich nicht beugen.                                                                                                                      

 

Vortrag IMI-Lädt-Ein: Rheinmetall – Ein Rüstungsunternehmen erfährt Gegenwind

IMI Tübingen - Vie, 08/06/2018 - 14:16
Rheinmetall zählt zu den größten und bekanntesten deutschen Rüstungsunternehmen. Nicht zuletzt sorgten die Bilder der Leopard2-Panzer von Rheinmetall bei der völkerrechtswidrigen Invasion des türkischen Militärs in Afrin für einen Aufschrei. Produkte der Firma tauchen tatsächlich an fast allen Kriegsschauplätzen weltweit (…)

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AZ Köln bleibt!!! AZ Cologne rimane !!! AZ Cologne se queda !!! AZ Cologne reste !!! Η AZ Κολωνία παραμένει !!!

Indymedia antimil - Vie, 08/06/2018 - 07:02
von: Independent militant Antifa am: 08.06.2018 - 07:02

Kommt zu unserer europaweiten Demo! Vieni alla nostra demo in tutta Europa! Ven a nuestra demostración en toda Europa! Venez à notre démo européenne! Ελάτε στο demo σε όλη την Ευρώπη!

Die Weltstellung der EU

German Foreign Policy - Vie, 08/06/2018 - 00:10

"Wie in den 1930er Jahren"

Vor dem heute beginnenden G7-Gipfel im kanadischen La Malbaie haben sich die Spannungen zwischen der EU und den USA weiter verschärft. Bereits auf dem Treffen der G7-Finanzminister Ende vergangener Woche hatte sich der Streit zwischen den Vereinigten Staaten und den anderen G7-Mitgliedern zugespitzt, nachdem die Trump-Administration am Eröffnungstag des Treffens Strafzölle auf Stahl- und Aluminiumlieferungen aus der EU und Kanada in Kraft gesetzt hatte. Strafzölle auf Stahl- und Aluminiumimporte aus Japan werden schon seit dem 23. März erhoben. Zu der Debatte darüber äußerte der japanische Finanzminister Taro Aso: "Es gab eine Situation, in der die USA allein gegen alle anderen standen".[1] Anschließend war statt von "G7" von "G6 plus 1", zuweilen sogar von "G6 gegen 1" die Rede. Der französische Finanzminister Bruno Le Maire urteilte: "Wir sind noch nicht im Handelskrieg, aber kurz davor"; um ihn in letzter Sekunde zu verhindern, müsse US-Präsident Donald Trump auf dem heute beginnenden G7-Gipfel "ein positives Signal senden".[2] Bereits vor dem Treffen der Finanzminister hatte der französische Präsident Emmanuel Macron erklärt: "Der wirtschaftliche Nationalismus führt zum Krieg. Das ist genau, was in den 1930er Jahren passiert ist."[3]

Vergeltungszölle

Inzwischen hat die EU ihre Vergeltungsmaßnahmen gegen die US-Strafzölle weiter konkretisiert. Von der Klage, die Brüssel bei der Welthandelsorganisation WTO eingereicht hat, erhoffen sich die zuständigen Stellen nicht viel: Washington blockiert seit geraumer Zeit die Neubesetzung der Richterstellen beim WTO-Berufungsgericht, vor dem der Fall voraussichtlich landen wird; deshalb wird das Gericht wohl schon im kommenden Jahr verhandlungsunfähig sein. Dafür beschleunigt Brüssel nun die EU-Gegenmaßnahmen gegen die Vereinigten Staaten. Wie Maroš Šefčovič, Vizepräsident der EU-Kommission, am Mittwoch mitteilte, werde die Abstimmung darüber unter den EU-Mitgliedsländern noch diesen Monat durchgeführt, so dass die Strafzölle Anfang Juli in Kraft treten können. Sie werden in der ersten Stufe auf Einfuhren im Wert von 2,8 Milliarden Euro erhoben; eine zweite Stufe mit Zöllen auf Importe im Wert von weiteren 3,6 Milliarden Euro ist im Gespräch. Betroffen sind Produkte, auf deren Verkauf Trumps agrarische Wählerbasis sowie prominente Unternehmen in für die US-Republikaner wichtigen Bundesstaaten angewiesen sind - etwa Orangensaft, Whiskey, Harley-Davidson-Motorräder.[4]

"Wir erwarten"

Ergänzend erhöht die EU den Druck im Streit um das Atomabkommen mit Iran. Wie es in einem jetzt in Auszügen bekanntgewordenen Brief heißt, den die Außen-, Wirtschafts- und Finanzminister der drei wirtschaftsstärksten EU-Staaten gemeinsam mit der EU-Außenbeauftragten Federica Mogherini an diesem Montag an US-Außenminister Mike Pompeo und US-Finanzminister Steven Mnuchin geschickt haben, werden die EU-Staaten auch weiterhin an dem Abkommen festhalten: Es sei "die beste Möglichkeit, um einen nuklear bewaffneten Iran zu verhindern", heißt es in dem Schreiben.[5] "Als Alliierte erwarten [!] wir", heißt es weiter, "dass die Vereinigten Staaten davon Abstand nehmen, durch ihre Aktionen Europas Sicherheitsinteressen zu verletzen". Insbesondere fordern die EU-Minister, Washington habe darauf zu verzichten, seine neuen Iran-Sanktionen auch für Firmen aus Europa verpflichtend zu machen; die Sanktionen dürften "nicht gegenüber EU-Unternehmen oder -Individuen durchgesetzt werden". Dies gelte speziell für die Pharma-, die Energie- und die Kfz-Branche sowie für die Banken. Den europäischen Finanzinstituten kommt tatsächlich eine herausragende Bedeutung für Iran-Geschäfte zu: Ihnen obliegt deren Finanzierung, ohne die nennenswerte Wirtschaftsaktivitäten in Iran kaum möglich sind. Allerdings kommen die Banken ihrerseits ohne eigene Geschäfte auf den US-Finanzmärkten nicht aus. Das macht sie besonders anfällig für Drohungen aus Washington.

Das Sanktionsproblem

Dem Streit um die Anwendung der US-Sanktionen auf Unternehmen aus der EU kommt dabei weitreichende Bedeutung zu - weniger wegen des Iran-Geschäfts selbst, das zwar in Teilbereichen (unter anderem Energie, Kfz-Produktion) auch langfristig lukrative Gewinne verspricht, viel mehr aber, weil die sogenannten sekundären Sanktionen auch aus US-Strafmaßnahmen gegen andere Staaten resultieren können. So hält zum Beispiel die Debatte um Konsequenzen aus den Russland-Sanktionen an, die Washington am 6. April verhängt hat. Deutsche Wirtschaftsverbände warnen, prinzipiell könnten "auch Nicht-US-Bürger" Ziel "sekundärer Sanktionen" werden, wenn sie mit russischen Firmen oder Personen Geschäfte machen, die ihrerseits mit US-Sanktionen belegt werden.[6] Faktisch wäre ein erheblicher Teil des deutschen Russland-Geschäfts betroffen. Hinzu kommt, dass die deutsche Wirtschaft auch dann an sekundäre Sanktionen gebunden wäre, wenn Washington seine Konflikte mit weiteren Staaten verschärfte - beispielsweise mit China. Dies gilt unter deutschen Wirtschaftsvertretern als nicht hinnehmbar.

Die Frage im Hintergrund

Jenseits ökonomischer Aspekte geht es bei den aktuellen Auseinandersetzungen zwischen der EU und den USA vor allem um machtpolitische Fragen. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat am vergangenen Wochenende darauf hingewiesen, dass sich zur Zeit "die gesamte Weltordnung ändert": Zwar blieben die Vereinigten Staaten "Supermacht"; doch werde - mit Blick auf Chinas Aufstieg sowie Russlands Wiederaufstieg - "die Welt multipolar".[7] "Das alles bedeutet für uns Europäer, dass wir unsere Stellung im globalen Gefüge neu definieren müssen", erläuterte Merkel. "Europa" solle sich dabei nicht nur "als wirtschaftsstarker Kontinent präsentieren", es solle auch "wahrgenommen werden als starke Stimme im Konzert der globalen Akteure". Noch ein wenig deutlicher als die Kanzlerin hat den deutsch-europäischen Machtanspruch bereits im vergangenen Jahr der damalige Außenminister Sigmar Gabriel formuliert. Gabriel erklärte einige Wochen nach dem Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump, die Vereinigten Staaten könnten "nicht die Führungmacht bleiben"; die EU wiederum dürfe deshalb "eine Partnerschaft auf Augenhöhe" beanspruchen.[8] Gabriel hat diese Forderung in leicht abgewandelten Formulierungen mehrmals wiederholt.[9] Sie steht beim heute beginnenden G7-Gipfel im Hintergrund.

 

[1] Die USA stehen allein gegen alle beim G7-Treffen in Kanada. nzz.ch 02.06.2018.

[2] Cerstin Gammelin: Frankreich setzt Trump eine letzte Frist. sueddeutsche.de 03.06.2018.

[3] Gerd Braune, Klaus Ehringfeld, Thomas Hanke: US-Strafzölle - Macron warnt vor Krieg, Kanada und Mexiko holen zum Gegenschlag aus. handelsblatt.com 01.06.2018.

[4] Die EU schlägt mit Zöllen gegen Amerika zurück. Frankfurter Allgemeine Zeitung 07.06.2018.

[5] David Böcking: Europäer verwahren sich gegen Iran-Sanktionen durch die USA. spiegel.de 06.06.2018.

[6] Neue US-Sanktionen gegen Russland. oaoev.de 10.05.2018.

[7] Thomas Gutschker, Eckart Lohse: Europa muss handlungsfähig sein - nach außen und innen. faz.net 03.06.2018.

[8] S. dazu Auf Augenhöhe.

[9] S. dazu Gabriels Kampfansage und Europas Machtentfaltung.

Kriegsspiele im Pazifik

German Foreign Policy - Jue, 07/06/2018 - 22:41

Randzonen des Pazifik

Das Großmanöver RIMPAC ("Rim of the Pacific", "Randzonen des Pazifik"), das am 27. Juni beginnen und am 2. August enden wird, findet dieses Jahr bereits zum 26. Mal statt. Erstmals ist es im Jahr 1971 durchgeführt worden, als die Vereinigten Staaten noch in Vietnam Krieg führten; Ziel war es damals, gemeinsam mit den engsten Verbündeten (Großbritannien, Kanada, Australien, Neuseeland) im Pazifik Position gegen die Sowjetunion und die Volksrepublik China zu beziehen. Die Stoßrichtung gegen Moskau teilte RIMPAC mit den BALTOPS-Manövern, die ebenfalls seit 1971 in der Ostsee abgehalten werden; das jüngste von ihnen hat in dieser Woche begonnen (german-foreign-policy.com berichtete [1]). RIMPAC, im Zweijahresrhythmus von der U.S. Pacific Fleet vor Hawaii organisiert, ist systematisch um verbündete Staaten erweitert worden. Im Jahr 2016 waren erstmals Soldaten aus Deutschland, Dänemark und Italien bei der Kriegsübung dabei; dieses Jahr werden nun auch Militärs aus Brasilien, Israel, Sri Lanka und Vietnam eingebunden. Insgesamt nehmen neben den USA und Kanada vier europäische NATO-Staaten [2], fünf Staaten Lateinamerikas - bis auf Brasilien durchweg Pazifikanrainer [3] -, Australien, Neuseeland und Tonga, Japan und Südkorea, sieben Staaten Südostasiens [4], Indien und Sri Lanka sowie Israel teil. Mit 25.000 Soldaten, 47 Schiffen, fünf U-Booten und mehr als 200 Flugzeugen aus insgesamt 26 Ländern handelt es sich um das größte Marinemanöver der Welt.

Komplexe Kriegsoperationen

In praktisch-militärischer Hinsicht wird RIMPAC 2018, wie die U.S. Pacific Fleet mitteilt, "eine große Bandbreite an Fähigkeiten üben".[5] Demnach wird es unter anderem um Katastrophenhilfe gehen, daneben um Seekontrolle, aber auch um komplexe Kriegsoperationen. Das "realistische" Trainingsprogramm umfasse Schießübungen, Übungen mit Raketen, U-Boot- und Luftabwehr, Piratenbekämpfung, Minenräumen, Tauch- und Rettungsoperationen sowie nicht zuletzt Elemente amphibischer Kriegsführung, heißt es. Höhepunkte seien unter anderem der Abschuss einer Antischiffsrakete mit hoher Reichweite (Long Range Anti-Ship Missile, LRASM) durch einen US-Kampfjet sowie der Abschuss landgestützter Antischiffsraketen durch die japanischen Streitkräfte. Zum ersten Mal seit 2002 werde die Kommandozentrale der U.S. 3rd Fleet aus dem kalifornischen San Diego nach Pearl Harbor verlegt, um von dort aus die Kontrolle auch über Einheiten zu übernehmen, die im Westpazifik operierten, teilt die U.S. Pacific Fleet mit. Alles in allem gehe es bei RIMPAC darum, zur Stärkung der "Letalität" (Tödlichkeit), "Resilienz" (Widerstandsfähigkeit) und "Agilität" beizutragen, die man benötige, "um Aggressionen größerer Mächte auf allen Konfliktfeldern und -ebenen abzuschrecken und abzuwehren". Mit welchen "größeren Mächten" Konflikte drohten, schreiben die US-Militärs nicht.

"Größere Konsequenzen"

Freilich deutet alles darauf hin, dass die westlichen Streitkräfte sich systematisch auf mögliche Konflikte mit China vorbereiten. Die Volksrepublik, die im Mai vergangenen Jahres noch zu einer Teilnahme an RIMPAC 2018 eingeladen worden war - wie bereits 2014 und 2016 -, ist vor wenigen Tagen kurzfristig ausgeladen worden. In Washington hieß es zur Begründung, die aktuelle Nutzung einiger Riffe im Südchinesischen Meer durch die chinesischen Streitkräfte sei mit einer Beteiligung an RIMPAC nicht vereinbar. US-Verteidigungsminister James Mattis hat am vergangenen Wochenende bekräftigt, dass Washington sich zu weiteren Maßnahmen gegen Beijings Aktivitäten auf einigen der Paracel- und der Spratly-Inseln veranlasst fühlt. "Die USA sind im Indo-Pazifik, um da zu bleiben, dies ist unser vorrangiges Einsatzgebiet", erklärte Mattis beim diesjährigen Shangri-La-Dialogue, einer auf die Außen- und Militärpolitik Asiens fokussierten, hochrangig besetzten Konferenz in Singapur.[6] Der Begriff "Indo-Pazifik" wird in Washington inzwischen anstelle von "Pazifik" gewählt, um den Indischen Ozean einzubeziehen und Indien für ein Bündnis gegen China zu gewinnen (german-foreign-policy.com berichtete [7]). Mattis fügte am Wochenende in Singapur hinzu, die US-Vision von einem "freien und offenen Indo-Pazifik" stehe "im starken Widerspruch" zu Chinas Aktivitäten im Südchinesischen Meer. Die Ausladung der chinesischen Streitkräfte von RIMPAC sei "eine relativ kleine Konsequenz" aus diesem "Widerspruch"; in Zukunft könne es durchaus "viel größere Konsequenzen" geben.

Die "Drachenmiliz"

Vor diesem Hintergrund gewinnen Szenarien von Teilmanövern an Bedeutung, an denen sich die deutsche Marine im Rahmen von RIMPAC 2016 beteiligte. Wie die Marine berichtet, übten die zu RIMPAC 2016 entsandten deutschen Soldaten nicht nur "die Durchsetzung von Bestimmungen, die den Ex- und Import von Waren und Rohstoffen unterbinden" sollen; in diesem Kontext ging es unter anderem um Boarding-Einsätze.[8] Deutsche Marinetaucher probten auch die Entfernung von Seeminen, um die sogenannte Freedom of Navigation sicherzustellen. Die Freedom of Navigation steht im Mittelpunkt eines sich verschärfenden Konflikts zwischen den Vereinigten Staaten und China; die USA verstehen darunter ihr angebliches Recht, auch in den Hoheitsgewässern von Inseln, die China als sein Territorium betrachtet, ohne jegliche Einschränkung zu kreuzen. Zudem waren laut dem Bericht der Marine deutsche Militärs auch in eine Übung involviert, bei der es dem Manöverszenario zufolge darum ging, auf einer Insel zu landen, um sie von einer "radikalen Miliz" zu "befreien". Der Name der Miliz wurde in der Kriegsübung mit "Draco" angegeben. "Draco" ist das lateinische Wort für "Drache"; der Drache gilt weithin als Symbol für China.

Beobachter auf Patrouille

Während die Bundeswehr sich auf RIMPAC 2018 vorbereitet, stehen offenbar erste Aktivitäten deutscher Militärbeobachter im Südchinesischen Meer bevor. Frankreichs Verteidigungsministerin Florence Parly kündigte am Wochenende beim Shangri-La-Dialogue in Singapur an, die französische Marine werde - wie auch die britische - ihre Patrouillenfahrten im Südchinesischen Meer intensivieren. Dabei sei man auch bereit, wie die US-Marine die Hoheitsgewässer von China beanspruchter Inseln zu durchqueren und so einen Konflikt mit Beijing zu provozieren. Parly gab an, die nächste Patrouille werde in Kürze von Singapur aus starten.[9] Wörtlich erklärte sie: "Auch deutsche Beobachter haben sich auf unseren Schiffen eingeschifft."[10] Sie sei der Ansicht, man müsse Aktivitäten dieser Art in Zukunft ausweiten.

 

[1] S. dazu Kriegsspiele im Baltikum.

[2] Deutschland, Frankreich, Großbritannien, die Niederlande.

[3] Brasilien, Chile, Kolumbien, Mexiko, Peru.

[4] Brunei, Indonesien, Malaysia, die Philippinen, Singapur, Thailand, Vietnam.

[5] U.S. Navy Announces 26th Rim of the Pacific Exercise. pacom.mil 30.05.2018.

[6] Dennis Schwarz: US-Verteidigungsminister Mattis wirft China Politik der Einschüchterung vor - und droht mit Konsequenzen. handelsblatt.com 02.06.2018.

[7] S. dazu "China herausfordern".

[8] RIMPAC 2016. marine.de 18.08.2016.

[9] Peter Hartcher: Great powers stepping up on China. smh.com.au 04.06.2018.

[10] Madame Florence Parly, ministre des Armées: Shangri-La Dialogue, Singapour, le 3 juin 2018. defense.gouv.fr 04.06.2018.

4 Hausdurchungen in Berlin

Indymedia antimil - Jue, 07/06/2018 - 15:50
von: unterstuezer kreis am: 07.06.2018 - 15:50

Am 05.06.2018 gab es nach unseren Informationen zeitgleich um 6 Uhr in 3 Wohnung in Kreuzberg/Neukölln und der Scharni 38 in Friedrichshain, Hausdurchsuchungen auf Grund eines Ermittlungsverfahren wegen Hausfriedensbruch bei der Bundespressekonferenz am 29.01.2018. Dort wurde gegen die deutsche Unterstützung des Krieges der Türkei gegen Afrin mit umfangreichen Waffenexporten, protestiert (Video: https://www.youtube.com/watch?v=yau8w30lwtc ).

Die präzisen Luftangriffe des Westens

German Foreign Policy - Mié, 06/06/2018 - 20:08

Großfamilien ausgelöscht

Schwere Vorwürfe gegen die Kriegführung der Anti-IS-Koalition bei der Rückeroberung Raqqas erhebt die Menschenrechtsorganisation Amnesty International (AI). Wie AI in einem gestern publizierten Bericht bestätigt, sind bei den Angriffen der Koalition eine hohe Zahl an Zivilisten zu Tode gekommen, weil die westlichen Militärs es bei der Angriffsvorbereitung an der notwendigen Sorgfalt mangeln ließen oder - in dicht besiedeltem Gebiet - Waffen mit großer Ungenauigkeit verwendeten. So wurden, wie AI dokumentiert hat, ganze Großfamilien durch Luftangriffe ausgelöscht - in Häusern, in denen sich einerseits keine IS-Kämpfer befanden, in denen sich die Familien aber andererseits über längere Zeit aufgehalten hatten, was einer sorgfältigen Aufklärung laut AI nicht verborgen geblieben wäre. Hinzu kommt dem Bericht zufolge, dass angreifende US-Truppen Raqqa mit Haubitzen beschossen, die eine große Ungenauigkeit aufweisen und für Attacken auf Gebiete, in denen Zivilisten leben, nicht geeignet sind. Ein US-Offizier wird mit der Aussage zitiert, US-Marines hätten in Raqqa mehr Artilleriemunition abgefeuert "als jedes andere Marine- oder Armeebataillon seit dem Vietnamkrieg". Aus dem AI-Bericht geht hervor, dass in Raqqa auch Wasserstellen bombardiert wurden, als sich Zivilisten dort versorgen wollten. Zudem warf die Anti-IS-Koalition über der Stadt Phosphorbomben ab, deren Einsatz in Wohngebieten weithin geächtet ist.[1]

Tausende Tote

Die Anti-IS-Koalition wies die Vorwürfe gestern als "absurd und grob fehlerhaft" zurück.[2] Dies entspricht Äußerungen, die US-Offiziere bereits im vergangenen Jahr tätigten. So behautpete etwa der damalige Kommandeur der US-Truppen in Syrien und im Irak, Generalleutnant Stephen Townsend, im September 2017 über die damals noch andauernde Schlacht um Raqqa, es habe "in der Geschichte bewaffneter Konflikte nie präzisere Luftangriffe gegeben".[3] Sein Nachfolger, Generalleutnant Paul E. Funk II, erklärte im Dezember 2017, die Koalition unternehme "immense Anstrengungen", um zivile Opfer zu vermeiden. Die Vereinigten Staaten räumten schließlich 24 Todesopfer ihrer Luftangriffe ein. Diese Zahl steht in absurdem Widerspruch zu den Recherchen, die AI unternommen hat und denen zufolge schon einzelne Familien eine höhere Zahl an Toten zu beklagen haben. Dabei ist im AI-Bericht überaus zurückhaltend von "hunderten" Todesopfern westlicher Luftangriffe die Rede, während etwa die Organisation Airwars mindestens 1.400 Opfer belegen kann. Allerdings ist ein schreiendes Missverhältnis zwischen den Opferzahlen, die die westliche Koalition einräumt, und den tatsächlichen Dimensionen nicht neu. So gab die Koalition zu, in der Schlacht um Mossul 326 Zivilisten umgebracht zu haben. Eine umfangreiche Recherche der Nachrichtenagentur AP kam zu dem Ergebnis, dass von den mindestens 9.000 bis 11.000 Todesopfern in Mossul mindestens 3.200 auf das Konto westlicher Angriffe gehen.[4]

Die Rolle der Bundeswehr

Die Bundeswehr war insofern in die Schlacht um Raqqa involviert, als deutsche Tornados die Aufklärungsdaten für die Angriffe lieferten. Ein Beispiel für das Zusammenspiel von Aufklärung und Bombardement bietet ein Vorfall vom März vergangenen Jahres. Am 19. März 2017 überflogen Tornados der Luftwaffe die Ortschaft Al Mansura in der Nähe von Raqqa, um Aufnahmen von einer Schule anzufertigen, in der zum damaligen Zeitpunkt über 40 Flüchtlingsfamilien übernachteten. In der Nacht vom 20. auf den 21. März 2017 nutzten Piloten der Anti-IS-Koalition die Daten, als sie das Gebäude bombardierten und dabei weitestgehend zerstörten. Laut Angaben des in London ansässigen Syrian Observatory for Human Rights, das nicht dafür bekannt ist, einer antiwestlichen Agenda zu folgen, kamen bei dem Angriff über 30 Zivilisten ums Leben.[5] US-Generalleutnant Townsend behauptete damals, nach verlässlichen Informationen habe "der Feind" das Schulgebäude genutzt; von zivilen Opfern könne keine Rede sein.[6] Die Bundesregierung verwies auf Fragen nach der deutschen Zuarbeit für den Angriff auf die Anti-IS-Koalition und berief sich ansonsten auf Geheimhaltungspflichten. Weitere Folgen hatte das Massaker nicht. Es verschafft allerdings einen Eindruck davon, welche Rolle deutsche Tornados auch bei anderen Luftangriffen mit zivilen Todesopfern gespielt haben mögen.

Die Instrumentalisierung der Opfer

In Berlin wird der neue AI-Bericht weitestgehend ignoriert. Das ist insofern bemerkenswert, als die Bundesregierung zivile Todesopfer bei der Rückeroberung syrischer und irakischer Großstädte stets lautstark beklagt, wenn sie durch russische oder syrische Luftangriffe ums Leben kommen, sich aber in Schweigen hüllt, wenn es um Tote bei westlichen Bombardements geht. So hatte etwa Bundeskanzlerin Angela Merkel den Regierungen Russlands und Syriens Ende 2016 vorgeworfen, im Kampf um die damalige Rückeroberung Ost-Aleppos Verantwortung für "gezielte [!] Angriffe auf Zivilpersonen und Krankenhäuser" zu tragen: "Das sind Verbrechen, die geahndet werden müssen."[7] Bekannte Medienkommentatoren gingen sogar so weit, den Holocaust zu relativieren, indem sie behaupteten, "Aleppo" sei "schlimmer als Auschwitz".[8] Als Bombardements russischer und syrischer Kampfjets um die Jahreswende 2017/18 im Kampf um die Rückeroberung der Ost-Ghouta auch Zivilisten umbrachten, erklärte Merkel, es handle sich um den "Kampf eines Regimes nicht gegen Terroristen, sondern gegen seine eigene Bevölkerung"; man müsse das "Massaker unverzüglich beenden".[9] Kritische Stellungnahmen der Bundesregierung zu den Massakern, die westliche Luftangriffe etwa in Mossul oder in Raqqa anrichteten, sind hingegen nicht bekannt - ein Beleg dafür, dass der Tod von Zivilisten der westlichen Politik heute vor allem als taktisches Mittel zur Diffamierung des Gegners dient.

"Ein syrisches Problem"

Jenseits der Recherchen über die zivilen Todesopfer belegt der neue Amnesty-Bericht einmal mehr die desaströse Lage Raqqas mehr als ein halbes Jahr nach der Niederschlagung des IS. Die rund 100.000 Menschen, die in der Stadt geblieben oder inzwischen wieder dorthin zurückgekehrt seien, lebten unter furchtbaren Bedingungen, konstatiert AI: Es gebe kaum Gerät, um Schutt und Minen zu beseitigen; immer noch verwesten zahlreiche Leichen unter den Trümmern. Sogar ein Team des UN-Flüchtlingshilfswerks sei, als es Raqqa im April besucht habe, "schockiert über das Ausmaß an Zerstörung" gewesen, das "alles überstieg", was man "zuvor gesehen" habe.[10] Nahezu alle Einwohner, mit denen AI-Mitarbeiter in der Stadt sprachen, hätten Verwunderung darüber geäußert, dass "die, die so viel Geld für einen teuren Feldzug ausgegeben haben, der die Stadt zerstört hat", jetzt "nicht die so verzweifelt benötigte Hilfe bereitstellen". Seit dem Sieg über den IS im Oktober seien beispielsweise mehr als 1.000 Menschen - viele von ihnen Kinder - durch Minen verletzt oder getötet worden, berichtet AI; noch nicht eingerechnet sei eine wohl recht hohe Dunkelziffer. Im State Department heißt es dazu, man betrachte die missliche Lage in Raqqa als "ein syrisches Problem", das entsprechend nach "einer syrischen Lösung" verlange. Raqqa wird bis heute von den Vereinigten Staaten und den von ihnen unterstützten Syrian Democratic Forces (SDF) kontrolliert.

 

[1] Amnesty International: "War of Annihilation". Devastating Toll on Civilians, Raqqa - Syria. London 2018.

[2] Amnesty wirft US-Koalition Vergehen vor. tagesschau.de 05.06.2018.

[3] Zitiert nach: Amnesty International: "War of Annihilation". Devastating Toll on Civilians, Raqqa - Syria. London 2018.

[4] Susannah George: Mosul is a graveyard: Final IS battle kills 9,000 civilians. apnews.com 21.12.2017. S. dazu Doppelte Standards.

[5] Christoph Hickmann: Tödliche Aufklärung. sueddeutsche.de 29.03.2017.

[6] Department of Defense Briefing by Gen. Townsend via Telephone from Baghdad, Iraq. defense.gov 28.03.2017.

[7] Dirk Hoeren: Merkel verurteilt Russland und Iran. bild.de 16.12.2016.

[8] Henryk M. Broder: Aleppo geschieht vor unseren Augen - Schämt euch! www.welt.de 09.08.2016. S. dazu Die Schlacht um Mossul (IV).

[9] Massaker unverzüglich beenden. bundesregierung.de 23.02.2018.

[10] Zitiert nach: Amnesty International: "War of Annihilation". Devastating Toll on Civilians, Raqqa - Syria. London 2018.

Blockade am Golf

German Foreign Policy - Mar, 05/06/2018 - 22:25

Fronten verhärtet

Am 5. Juni 2017 schloss Saudi-Arabien Land-, Luft- und Seegrenzen zum benachbarten Qatar. Die Blockade wurde vor allem von den Vereinigten Arabischen Emiraten, Bahrain und Ägypten unterstützt; vorangegangen war ein Besuch von Donald Trump am 21. Mai in Riad, bei dem der US-Präsident nach allgemeiner Überzeugung grünes Licht für die Blockade gegeben hatte. Ein 13-Punkte-Katalog beinhaltete Forderungen wie die Einstellung jeglicher Förderung der Muslimbruderschaft, die Abkühlung der Beziehungen zu Iran und die Schließung des Senders Al Jazeera. Zu Riads Vorwurf, Doha gewähre "Terrorunterstützung", konstatierte Sebastian Sons von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP): "Die zweitgrößte Gruppe der ausländischen Kämpfer im IS [stammt] aus dem saudischen Königreich. ... Dementsprechend ist das Argument, Katar unterstützte den Dschihadismus, ein Beispiel für Doppelmoral."[1] Hauptanlass der Blockade, urteilt Sons, sei vielmehr die kooperative Politik des Emirats gegenüber Iran, mit dem sich Qatar ein gigantisches Erdgasfeld im Persischen Golf teilt und deshalb auf politischen Ausgleich setzt. Während die USA in dem Konflikt, nicht zuletzt mit Blick auf ihre in Qatar gelegene Air Base Al Udeid, beide Seiten unterstützen - auch mit milliardenschweren Rüstungsdeals -, war Deutschland auch wegen seiner intensiven wirtschaftlichen Beziehungen zu dem Emirat an einer schnellen Beilegung der Krise interessiert. Doch ein Jahr später zeigt sich: Am Golf bleiben die Fronten verhärtet.

Importe gesichert

Zwar wurde durch die Blockade nicht zuletzt der für Qatar strategisch wichtige Luftverkehr empfindlich getroffen; Berichten zufolge hat die staatliche Fluggesellschaft Qatar Airways inzwischen "Tausende Flüge gestrichen".[2] Doch der Blockade trotzte das Emirat bislang erfolgreich, indem es bei seiner Importpolitik zum einen auf politische Verbündete wie die Türkei setzte und zum anderen die Beziehungen zu Iran sowie zu einigen anderen asiatischen, aber auch europäischen Ländern intensivierte. Bei der Sicherstellung der Versorgung landete Doha nebenbei auch PR-Coups wie jenen über den Import von rund 20.000 Kühen aus Deutschland. "Außerhalb von Doha" habe Qatar "riesige Kuhställe" errichtet, "mitten in der Wüste", heißt es: Das Emirat wolle auch "bei Milchprodukten zum Selbstversorger werden".[3]

Deutsche Unternehmen gefragt

Auch darüber hinaus wirbt Qatar systematisch um deutsche Unternehmen. So wurde zu Jahresbeginn der Botschafter des Landes in Deutschland mit der "Hoffnung" zitiert, deutsche Firmen würden sich stärker als bisher in dem Emirat betätigen - "nicht nur die großen Konzerne, sondern auch kleine und mittlere Unternehmen". Dem Botschafter zufolge sind inzwischen bereits 200 deutsche Firmen in Qatar aktiv und haben dort in den vergangenen zehn Jahren rund 80 Milliarden US-Dollar investiert.[4] Umgekehrt investiert Qatar seit Jahren große Summen in Deutschland. So ist das Emirat bei VW mit 17 Prozent drittgrößter Anteilseigner nach Porsche und dem Land Niedersachen; an der Deutschen Bank ist es mit über drei Prozent beteiligt. Im Januar 2018 erklärte der qatarische Finanzminister Ali Sherif al Emadi: "Wir werden mehr in Deutschland investieren. Wir suchen immer nach neuen Möglichkeiten, Deutschland ist für uns ein attraktiver Markt."[5]

WM 2022 verspricht Gewinn

Vor allem Bau- und Infrastrukturmaßnahmen für die Fußball-WM 2022 in Qatar versprechen seit Jahren riesige Aufträge auch für deutsche Unternehmen wie Hochtief, Siemens, Deutsche Bahn, Albert Speer und Partner oder die Dorsch-Gruppe, die den Zuschlag für die Bauaufsicht über ein 45-Milliarden-Euro-Projekt erhielt.[6] Kurz vor der WM-Vergabe hatten der damalige Vorstandschef von Hochtief, Herbert Lütkestratkötter, und Kanzlerin Angela Merkel gemeinsam mit der qatarischen Führung getagt. Wenige Monate nach dem WM-Zuschlag für das Emirat reiste der Hamburger Reeder Erck Rickmers in Begleitung von Franz Beckenbauer nach Doha. Zuvor hatte Rickmers laut Spiegel online 250.000 US-Dollar an die Franz-Beckenbauer-Stiftung gespendet. Der Sunday Times zufolge war die Reise vom damaligen qatarischen FIFA-Delegierten Mohamed bin Hammam organisiert worden. Es sei, teilt die von Rickmers geleitete E.R. Capital Holding mit, "um die mögliche Zusammenarbeit der E.R. Gruppe mit katarischen Investment-Fonds und einer Beteiligungsmöglichkeit im Schifffahrtsbereich" gegangen.[7]

Sportpolitische Kooperation

Der lange Jahre von Beckenbauer als Präsident geführte FC Bayern München kooperiert seit geraumer Zeit ebenfalls eng mit Qatar. Anfang 2011, also wenige Wochen nach der WM-Vergabe, schlug er erstmals sein Winterquartier in dem Emirat auf. Im Zeichen der Krise zwischen Riad und Doha gab der damalige Außenminister Sigmar Gabriel erneut grünes Licht für das jährliche Trainingslager der Bayern, das im vergangenen Winter ganz wie zuvor in Qatar stattgefunden hat. Zwischenzeitlich wirbt der deutsche Rekordmeister für den Flughafen Doha; ab Juli 2018 soll zudem Qatar Airways anstelle von Lufthansa als Platinsponsor bei dem Club einsteigen. Dass die deutschen wirtschafts- und sportpolitischen Kontakte zum künftigen WM-Ausrichter ungetrübt fortbestehen, ist auch Netzwerken zu verdanken, für die etwa SBC International steht. Das Unternehmen aus Frankfurt am Main, dessen Homepage mit Werbung für die WM 2022 in Qatar aufmacht, verweist auf personelle Erfahrung und "enge Abstimmung auf nationaler und internationaler Ebene mit den oberen Leitungsebenen in Unternehmen, Medien, Politik, Verbänden, Sport, Verteidigung & Sicherheit, der öffentlichen Verwaltung und führenden humanitären Organisationen". Zu seinen "Projekt"-Partnern zählt es führende deutsche Medien, die qatarische Fußballliga, transatlantische Think-Tanks, Regierungseinrichtungen, die Bundeswehr und die NATO.[8]

Die Überzeugungen des FC Bayern

Nach langjähriger internationaler Kritik an den katastrophalen Arbeitsbedingungen auf den WM-Baustellen und an der Missachtung von Menschenrechten in Qatar [9] präsentiert sich der FC Bayern inzwischen als Botschafter "von Weltoffenheit und freier Lebensgestaltung". Die "Partner des FC Bayern in Katar ... kennen auch die Überzeugungen des FC Bayern bei Arbeiter- und Menschenrechten", ließ der Verein 2018 wissen.[10] Zwar hat sich die Lage auf den WM-Baustellen auch infolge des Drucks internationaler Gewerkschaftsorganisationen leicht verbessert, zumal sich das Emirat Meldungen über hunderte tödlich verunglückte Arbeiter wenige Jahre vor der WM kaum noch leisten kann. Doch noch im März 2018 hieß es etwa unter Bezug auf das britische Beratungsunternehmen Impactt: "Gastarbeiter in Katar haben im vergangenen Jahr bis zu 148 Tage am Stück auf Baustellen für die Fußball-Weltmeisterschaft 2022 gearbeitet."[11] Im extremsten Fall seien es 14 Stunden am Stück gewesen. Wie ernst es der deutschen Politik um die Menschenrechte am Golf ist, zeigt die Ende Mai bekannt gewordene Übereinkunft, Eurofighter-Kampfjets im Wert von rund 5,7 Milliarden Euro, an deren Produktion deutsche Firmen beteiligt sind, nach Qatar zu exportieren. Das Emirat hat sich vor der Blockade durch Saudi-Arabien an Luftangriffen auf Libyen und den Jemen beteiligt, ist also zum Einsatz der Eurofighter bereit.

 

[1] Sebastian Sons: Hausarrest für Katar. Die Krise entpuppt sich als Kampf um die Vormacht in der Golf-Familie. In: Internationale Politik, Juli/August 2017. S. 98-102.

[2] Qatar Airways streicht Flüge ein Jahr nach Blockade. handelsblatt.com 19.05.2018.

[3] Anna Osius: Folgen der Katar-Blockade. Iranisches Gemüse und Kühe aus Deutschland. deutschlandfunk.de 21.04.2018.

[4] Thomas Steinmann: Katar buhlt um deutsche Unternehmen. capital.de 26.01.2018.

[5] Katar stellt weitere Investitionen in Deutschland in Aussicht. finanzen.net 25.01.2018.

[6] Vgl. Glenn Jäger: In den Sand gesetzt. Katar, die FIFA und die Fußball-WM 2022. Köln 2018. S. 20, 85-99. S. auch unsere Rezension.

[7] Jens Weinreich: Beckenbauer und die WM 2022 in Katar. Fährt ein Kaiser zum Emir. spiegel.de 08.06.2014.

[8] Projekte. www.sbc-international.de/de/projekte.

[9] S. dazu Fußball in der Wüste (II).

[10] Manuel Bonke: Neuer Wirbel um Sponsor Katar und schwere Vorwürfe gegen den FC Bayern. tz.de 12.04.2018.

[11] WM 2022 in Katar: Arbeiter arbeiten bis zu 148 Tage am Stück. rp-online.de 08.03.2018.

[B]eweisstück aufgetaucht

Indymedia antimil - Mar, 05/06/2018 - 22:22
von: Bewegung 9.April am: 05.06.2018 - 22:22

 

Heute haben an mehreren Orten in Berlin Razzien stattgefunden, bei denen Leute bedroht, Türen zerschlagen und Alltagsuntensilien (wie z.B. Zwillen) beschlagnahmt wurden. Als Vorwand wurde eine Transpiaktion gegen Waffenexporte auf der Bundespressekonferenz genutzt. Amüsiert haben wir festgestellt, dass sich ein zentrales Beweisstück zur Aufklärung des Falles dieses hinterhältigen Anschlags an der Fassade unseres Hauses befindet.

Rezension: Glenn Jäger: In den Sand gesetzt

German Foreign Policy - Mar, 05/06/2018 - 22:20

Der Sozialwissenschaftler Glenn Jäger nimmt in seinem kürzlich erschienen Buch "In den Sand gesetzt" Qatar umfassend in den Blick. Den Hauptfokus legt er auf die Vorbereitungen für die Fußball-WM im Jahr 2022, die das Emirat ausrichten wird. Schon die Vergabe der WM an Qatar hat weithin für Stirnrunzeln gesorgt. Eine Fußball-Weltmeisterschaft in der glühenden Wüstenhitze der Arabischen Halbinsel? In einem Land, das im Gegensatz zu anderen Interessenten über keine wirkliche Fußballtradition verfügt? Die Umstände haben schon bald Anlass zu bohrenden Nachfragen und zu kritischen Recherchen geboten. Jäger beschreibt die "Landschaftspflege", die der Herrscherclan der Al Thani und seine Sportfunktionäre betreiben mussten, um den Zuschlag für das neben Olympia wohl populärste Sportgroßevent der Welt zu bekommen. Man erfährt unter anderem, wie Mohamed Bin Hammam, ein Jugendfreund des Emirs von Qatar, ab 1996 Mitglied im FIFA-Exekutivkomitee, Deutschland half, die notwendigen asiatischen Stimmen für die Vergabe der Fußball-WM 2006 zu bekommen. Wäscht eine Hand die andere? Jedenfalls zeigte sich, dass schon vor der Entscheidung für den Austragungsort Qatar deutsche Fußballfunktionäre wie etwa Franz Beckenbauer das Emirat zu bereisen begannen. Und nicht nur sie.

 

Auch deutsche Politiker, darunter unter anderem Bundespräsident Christian Wulff, gaben sich in jener Zeit in Qatar fast die Klinke in die Hand. Qatar hatte - ganz unabhängig von der Fußball-WM - begonnen, Wirtschaft und Infrastruktur systematisch auszubauen, um perspetivisch seiner völlig einseitigen Abhängigkeit von Erdöl und Erdgas zu entkommen. Dazu diente, wie Jäger es schildert, unter anderem ein Großprogramm mit dem Titel "Qatar National Vision 2030", das wiederum bei deutschen Unternehmen Interesse an teils milliardenschweren Aufträgen weckte. Konnte da nicht die Fußball-WM dem Emirat weitere Anreize und interessierten Firmen zusätzliche attraktive Aufträge bieten? Wie auch immer - die Pläne, mit denen Qatar sich erfolgreich um die WM-Vergabe bewarb, wurden in Frankfurt am Main entwickelt, vom Architektur- und Planungsbüro AS+P (Albert Speer und Partner), das wiederum neben deutschen Baukonzernen nach erfolgreicher Bewerbung von den nun anfallenden lukrativen Bauaufträgen profitierte. Die Frage, wer wem zu einer Fußball-WM verhilft, kann weitreichende Konsequenzen haben.

 

Und das umso mehr, wenn das Land, mit dem man in puncto WM kooperiert, dabei ist, umfassende politische Aktivitäten zu entfalten. Gerade als Qatar den Zuschlag für das Großevent erhalten hatte und milliardenschwere Aufträge dafür zu vergeben begann, nahmen die Unruhen in der arabischen Welt ihren Lauf - und sie boten aus Sicht des Westens zusätzliche Optionen für eine politische Kooperation beim Sturz missliebiger Regierungen wie derjenigen von Muammar al Gaddafi in Libyen und Bashar al Assad in Syrien. In beiden Ländern hat sich Qatar massiv eingemischt - loyal an der Seite des Westens. In der Gesamtschau erklärt das dann auch, weshalb, wie Jäger schreibt, die westliche Politik sich nicht daran stört, dass in dem Emirat jegliche homosexuelle Handlung mit Gefängnis und Peitschenhieben bestraft werden kann, während die Diskriminierung von Lesben und Schwulen in Russland von westlichen Politikern zum Anlass genommen wurde, um der Winterolympiade in Sotschi Anfang 2014 fernzubleiben. Die Verbindung der großen Gesamtschau auf Politik und Ökonomie mit dem detailreichen Blick auf die Vorbereitungen für die Fußball-WM 2022, die vieles überhaupt erst verständlich werden lässt - das ist die große Stärke des gut geschriebenen, sehr zu empfehlenden Buchs, das Jäger vorgelegt hat.

 

Glenn Jäger: In den Sand gesetzt

Katar, die FIFA und die Fußball-WM 2022

Köln 2018 (PapyRossa Verlag)

311 Seiten

16,90 Euro

ISBN 978-3-89438-662-7

Cyber bei der BIFA ..

Amazonas-Box/Frieden-etc. - Mar, 05/06/2018 - 16:39

muss ich doch loswerden:

Einladung zum BIFA-Treff
Mittwoch, 6.6.2018 19.30h Frauenlobstr. 24 (Rückgebäude)
- monatliches Treffen, am mittlerweile vertrauteren Ort!

Inhaltlich werden wir uns mit dem Thema „Krieg im Informationszeitalter“ beschäftigen. Beim letzten IMI-Komgress1 hat Prof.Hans-Jörg Kreowski einen Vortrag über „Cyberwar und Cyberpeace“ gehalten. Basis für unser Gespräch wird eine Zusammenfassung seiner Thesen sein, vorgestellt von Ursula Dersch

außerdem - Pläne & Aktuelles ...

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